Über 40 Gruppen sind in der Selbsthilfe aktiv

Urte-Maren Schulz (Mitte) befragte für den neuen Wegweiser Menschen, die Hilfe in der Gruppe suchen. (Foto: Horizont Selbsthilfe- und Beratungsstelle)

Neu-Hohenschönhausen. Wer Hilfe bei Krankheit sucht, der findet Unterstützung nicht nur bei Ärzten oder Therapeuten. In Selbsthilfegruppen begegnen sich Betroffene auf Augenhöhe. Ein neuer Selbsthilfe-Wegweiser gibt jetzt einen Überblick zu allen Gruppen.

Es gibt sie zu den unterschiedlichsten Themen: Ob Diabetes, Multiple Sklerose oder Rheuma - immer mehr Menschen suchen neben der ärztlichen Behandlung auch Hilfe in Selbsthilfegruppen. Über 40 solcher selbst organisierter Gruppen von Betroffenen gibt es in Lichtenberg. Die Probleme, die hier thematisiert werden, sind höchst unterschiedlich. Denn nicht nur körperliche oder seelische Erkrankungen werden zum Thema. Es gibt beispielsweise Selbsthilfegruppen für Menschen, denen es schwer fällt, Freundschaften zu knüpfen. Und es gibt Gruppen, die sich mit den Thema Heiratsschwindel auseinandersetzen.

"Was den Menschen an der Selbsthilfe gefällt, ist oft einfach die Offenheit", weiß die Sozialarbeiterin Urte-Maren Schulz. Für die Selbsthilfe Kontakt- und Beratungsstelle "Horizont" sprach sie mit Betroffenen, die sich in den Selbsthilfegruppen gegenseitig unterstützen. Ihre Interviews sind im neuen Selbsthilfe-Wegweiser nachzulesen.

"In den Gruppen selbst werden alltagstaugliche Tipps gegeben, die Betroffenen tauschen sich aus", weiß Schulz. Obwohl Selbsthilfe nicht das leisten könne, was Ärzte und Therapeuten leisten, "so kann die Selbsthilfe vor allem die Menschen auffangen und sie motivieren", sagt die Sozialarbeiterin. "Selbsthilfe funktioniert nur, wenn der Betroffene auch an Verbesserungen interessiert ist. Sie bietet den Menschen einen geschützten Raum, ihre Stärken und Talente für andere einzubringen. Das bringt ungeheure Kraft, die verschiedenen Lebenssituationen zu meistern. Betroffene erleben sich dann nicht als Problemfall, sondern werden wertschätzend von anderen Betroffenen angenommen."

Im Lichtenberger Norden koordiniert die Selbsthilfe- und Beratungsstelle Horizont in der Ahrenshooper Straße 5 die einzelnen Selbsthilfegruppen. "Jeder Betroffene ist eine Art Experte, er hat Erfahrung mit Ärzten gemacht, erlebt Symptome wie etwa Schmerzen oder Ängste", erklärt Jürgen Kubens von der Selbsthilfekontaktstelle. Die Gruppen finden dort nicht nur Räume für ihre Treffen. Gerade bei neu entstandenen Gruppen braucht es einer Anleitung, um die Gesprächsarbeit in Gang zu bringen. "Wir helfen auch, Fortbildungen und Krankenkassenförderungen zu organisieren. Damit können auch Fachvorträge verwirklicht werden", sagt Kubens.

Zu den klassischen Selbsthilfegruppen zählen solche, die sich mit Suchterkrankungen auseinandersetzen. Eine Lichtenberger Besonderheit ist die Gruppe "Spielfrei", die sich mit der Spielsucht auseinandersetzt. Denn strenge Aufnahmekriterien gibt es hier nicht - die Spielsüchtigen müssen nicht trocken sein, um Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Regelmäßig kommen auch die Angehörigen der Spielsüchtigen zu Wort.

Es gibt auch die Selbsthilfegruppe zur Alkoholsucht, oder für Menschen, die von Verwahrlosung bedroht sind, sogenannte Messies. In Gründung befinden sich Selbsthilfegruppen zu den Themen Borderline, Trennung und Scheidung, Raucherentwöhnung sowie für Eltern von an Neurodermitis erkrankten Kindern. Hier werden noch Betroffene gesucht.

Einen Überblick über die Selbsthilfegruppen im Bezirk gibt die neu erschienene Broschüre "Selbsthilfe Wegweiser Lichtenberg". Er ist kostenlos in der Selbsthilfekontaktstelle in der Ahrenshooper Straße 5 sowie in Lichtenberger Nachbarschaftszentren und Bibliotheken erhältlich. Weitere Infos unter .962 10 33.

Karolina Wrobel / KW
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