Fitness-Frauen fordern Fairplay

Die Fitness-Frauen des Vereins "Kietz für Kids Freizeitsport" sind sauer: Der Sportplatz ist zu. (Foto: Wrobel)
Berlin: Klützer Straße 36 |

Neu-Hohenschönhausen.Seit neun Jahren ist der Sportplatz in der Klützer Straße außer Betrieb. Eigentlich. Schließlich feierten hier noch vor kurzem Politiker und Sportamtsmitarbeiter. Doch jetzt wurde der Platz so richtig abgeriegelt. Und die Fitnss-Frauen? Die sind sauer.

"Der Sportplatz ist einfach so gesperrt worden. Klar, er sieht nicht toll aus. Aber ich frage mich schon, wo hier die Gefahrenquellen lauern. Der Zaun ist in Ordnung, im Boden gibt es keine Löcher." Norma Leideritz ist Fitness-Trainerin und macht seit fast drei Jahrzehnten die Frauen aus der Umgebung fit. Sie nutzt dafür seit Jahren die Sportanlage an der Klützer Straße, zu der neben zwei Sporthallen auch ein Sportplatz gehört. Bislang war das auch kein Problem. Doch jetzt stehen die Fitness-Frauen vom Verein "Kietz für Kids Freizeitsport" vor einem Zaun. Die Nutzung des Sportplatzes wurde kurzerhand untersagt.

Eine Nachfrage bei der Sportstadträtin Kerstin Beurich (SPD) ergab: Eigentlich wird der Sportplatz schon seit neun Jahren nicht mehr freigegeben. "Es besteht Verletzungsgefahr", sagt sie. Das Sportamt bekam "zufällig" mit, dass Sportler den Platz über den Notausgang der Sporthalle "ungenehmigt nutzten", so die Stadträtin.

Norma Leideritz kann darüber nur den Kopf schütteln. Denn die Fläche wurde in der Vergangenheit dauernd genutzt, nicht nur von den Freizeitsportlern. Noch im vergangenen Jahr spielten hier auch Flüchtlinge. Die Hallen wurden 2015 zwischenzeitig als Notunterbringung genutzt. Und noch Ende Juli feierte auf eben diesem Sportplatz der SSG Humboldt sein Vereinsjubiläum. Mit dabei waren Mitarbeiter des Sportamtes, die Bürgermeisterin Birgit Monteiro (SPD) und die Abgeordnete Karin Halsch (SPD), die zugleich Vorsitzende des Sportausschusses ist – das geht aus dem Online-Bericht der Judo-Sektion des SSG Humboldt hervor.

Die Sportstadträtin verneint, etwas von der Nutzung des Sportplatzes durch die Flüchtlinge gewusst zu haben. Und spricht beim Fest von einer "einmaligen Situation". Deshalb wurde im Amt entschieden, "das Fest nicht zu stören" und es unter einer Voraussetzung stattfinden zu lassen. Diese war: der Verein hatte die Haftung für etwaige Unfälle zu übernehmen.

Das sei auch der Grund, warum das Amt noch bei dem Vereinsfest vermeintlich beide Augen zudrückte und jetzt allen anderen Sportlern einen Bauzaun vor die Nase setzte. Denn das Bezirksamt möchte keine Haftung für Unfälle übernehmen. Diese Haftung könne laut Beurich gesetzlich nicht übertragen werden.

Norma Leideritz und die Fitness-Damen wünschen sich mehr Fairplay und den Abbau des Zauns. "Ich sehe keinen wirklich guten Grund, warum er nicht von uns wie bisher genutzt werden könnte." Die Sportstadträtin ergänzt indes, dass der Sportplatz zunächst für rund 300 000 Euro grundsaniert werden muss. Einen Zeitpunkt für die Sanierung nannte sie nicht. Priorität würden aktuell Hallensanierungen genießen. KW
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