Heidelberger Straße: Genossenschaft reißt Häuser ab

Zukunft: So stellen sich "Blumers Architekten" den Neubaukomplex vor. (Foto: Grafik: Blumers Architekten)

Neukölln. Zwei 50 Jahre alte Mietshauskomplexe an der Heidelberger Straße 15-18 sollen Platz machen für Neubauwohnungen. Eine Sanierung hält der Eigentümer, der Wohnungsbau-Verein Neukölln (WBV), nicht für sinnvoll. Die Fraktion der Linken in der Bezirksverordnetenversammlung ist da anderer Meinung.

Im Zuge des Wiederaufbauprogramms waren die Wohnhäuser an der Heidelberger Straße 15-18 Anfang der sechziger Jahre im Stil eines minimalistischen Laubengangbaus erbaut worden. Die 76 Wohnungen, in denen auch Asbest verbaut wurde, sind einfach ausgestattet.

Es gibt Durchlauferhitzer und alte Wasserleitungen. Wärmeisolierung und Schallschutz seien unzureichend, so Uwe Springer vom Vorstand der WBV. "Eine Sanierung wäre möglich, danach müssten wir aber einen Mietpreis von 7,50 Euro pro Quadratmeter verlangen." Momentan betrage die Kaltmiete 4,50 Euro.

Im Neubaukomplex soll der Preis bei 8,50 Euro liegen. Geplant sei, 85 Wohnungen zu schaffen. Im Haus soll es 70 Tiefgaragenplätze und einen Aufzug geben. "Viele unserer älteren Mieter suchen eine Wohnung mit Fahrstuhl, von denen wir bisher nur wenige haben", meint Falko Rügler, ebenfalls im Vorstand des WBV. In den Neubauten vorgesehen sind auch eine Wohngemeinschaft für ältere Menschen, Gästewohnungen, ein Concierge-Dienst und ein Gewerbebetrieb.

Mitte letzten Jahres informierte der WBV seine Mieter über die Abrisspläne - und bietet seither Ersatzwohnungen im Umkreis von zwei Kilometern an. 37 Mieter machten bisher Gebrauch von dem Angebot, so auch die 79-jährige Gisela Wolf. Sie zog um die Ecke in die Sülzhayner Straße in eine etwas größere, modernisierte Wohnung und fühlt sich dort wohl. Dass sie 120 Euro mehr Miete zahle, sei für sie kein Problem. Auch die 78-jährige Christel Werner ist zufrieden mit ihrer Ersatzwohnung: "Jetzt wohne ich barrierefrei", sagt sie.

Aber nicht alle Mieter zeigen Verständnis für den Auszug, der bis Ende des Jahres abgeschlossen sein soll. Bisher gab es noch keine Kündigungen, nun will die WBV eine Räumungsvereinbarung anbieten. "Wir sind sehr optimistisch und gehen darauf ein, wenn Mieter finanzielle Grenzen haben, soweit es uns möglich ist", verspricht Falko Rügler.

Widerstände gibt es auch bei der Fraktion der Linken in der Bezirksverordnetenversammlung. Sie hatte bereits im Januar versucht, den Abriss mit einem Antrag zu verhindern, bekam dafür aber keine Mehrheit.

Der Fraktionsvorsitzende Thomas Licher kritisiert, dass regelmäßige Instandsetzungsarbeiten einen Abriss hätten verhindern können: "Natürlich entspricht die Ausstattung der Wohnungen nicht heutigen Standards. Wir brauchen aber keine luxuriösen oder gut ausgestatteten Wohnungen, sondern vor allem bezahlbare im unteren Preissegment."


Sylvia Baumeister / SB
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