Tausche Jugendhaus gegen Seniorenstätte

Jens Schielmann, Gözde Gerdan und Rahim Yildirim (von links) von "Outreach" kümmern sich im "Blueberry Inn" um Kinder aus der Nachbarschaft. (Foto: Schilp)
 
Blick auf das rund zwölf Meter breite Grundstück, das für den Neubau gebraucht wird, um weiteren Kindern und Jugendlichen einen geschützten Freizeitraum zu ermöglichen. Bis vor kurzem übernachteten hier Obdachlose in einem Autowrack. Im Hintergrund rechts befindet sich das "Blueberry Inn". (Foto: Schilp)

Neukölln. Die schlechte Nachricht: Auf dem Gelände des Kindertreffs „Blueberry Inn“ an der Ecke Reuter- und Erlanger Straße kann derzeit kein Jugendhaus gebaut werden. Die gute: Das dafür vorgesehene Geld soll in die neue Seniorenfreizeitstätte Rudow fließen.

Das kleine "Blueberry Inn" wird vom Träger „Outreach“ betrieben. „Es ist aber völlig übernutzt“, sagt Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU). Da kann Betreuer Jens Schielmann nur zustimmen. Täglich kämen um die 80 Kinder. Bei rund 40 Quadratmeter Spielfläche im Inneren des blauen Häuschens werde es schnell eng. „Und das sind keine Kinder, die einfach nur Spaß haben wollen. Viele wüssten sonst nicht wohin.“

Das Blueberry-Angebot richtet sich jedoch nur an Jungs und Mädels bis 15 Jahren; die Älteren müssten seine beiden Kollegen und er wegschicken. Die würden dann auf dem benachbarten Spielplatz oder auch gerne im Einkaufzentrum, den Neukölln Arcaden, abhängen. Und gutes Benehmen sei nicht garantiert. „Nicht wenige haben inzwischen Hausverbot“, sagt Jens Schielmann. Abhilfe tut dringend not. Deshalb will das Bezirksamt möglichst schnell den Neubau errichten, der ebenfalls unter der Regie von "Outreach" stehen soll. Der konkrete Plan: Ins bestehende "Blueberry" ziehen die schwierigeren Jugendlichen, ins neue Haus die Kinder und die „einfacheren“ Jugendlichen. In Kooperation mit der Volkshochschule will man dort auch „integrierte Lernorte“ schaffen.

Doch um das Projekt zu verwirklichen, braucht das Bezirksamt ein schmales Nachbargrundstück. „Aber der Eigentümer zockt und will nicht verkaufen“, sagt Stadtrat Liecke. Dabei könne der mit dem verwahrlosten Areal überhaupt nichts Vernünftiges anfangen, „höchstens eine Wäscheleine aufspannen.“ Sein Kollege, Baustadtrat Thomas Blesing (SPD), sei weiter in Verhandlung, eine Enteignung werde erwogen. Das aber kann dauern. „Wer in Berlin Jugendarbeit macht, muss lernen zu warten“, so der bittere Kommentar von Schielmanns Kollegen Rahim Yilidirm.

Jetzt soll ein Teil des Geldes, das für das Jugendhaus vorgesehen war, in den Neubau der Seniorenfreizeitstätte Rudow fließen. Wie berichtet, müssen die älteren Bürger ihr Haus in Alt-Rudow 45 aufgeben, weil hier die neue Stadtteilbibliothek gebaut wird. Vorübergehend finden sie eine Unterkunft im nahegelegenen „Haus Harz“. Ein Neubau auf dem Gelände der Alten Dorfschule, Alt-Rudow 60, ist jedoch geplant. Kostenpunkt: rund 700 000 Euro.

Finanziert werden sollte das Projekt ursprünglich aus dem diesjährigen Landesprogramm „Sondervermögen Infrastruktur Wachsende Stadt II“ (Siwa II). Doch wider Erwarten verteilt der Senat diese Mittel nicht – wie 2015 bei Siwa I geschehen – direkt an die Bezirke, sondern bestimmt selbst, wofür sie ausgegeben werden. Deshalb möchte das Bezirksamt nun die Finanzierung der Seniorenfreizeitstätte vorziehen und gegen das Jugendhaus tauschen, das für Siwa I angemeldet ist.

Diesem Vorhaben muss aber auf Senats- und Abgeordnetenhausebene zugestimmt werden. Die Neuköllner CDU-Bezirksverordneten haben Zweifel daran, ob das Ganze klappt. Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) dagegen ist optimistisch. Und sie versicherte den Bezirksverordneten bei ihrer jüngsten Sitzung: „Wir wollen die Seniorenfreizeitstätte möglichst aus Siwa-Mitteln finanzieren. Funktioniert das nicht, zahlen wir sie aus bezirklichen Mitteln.“ sus
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