Hoffnungsschimmer: Neuköllner Erstklässler sind etwas gesünder

Neukölln. Die gesundheitliche Entwicklung der Sechsjährigen hat sich leicht verbessert. Weil der Bezirk jedoch weiterhin auf dem letzten Rang liegt, fordert Jugend- und Gesundheitsstadtrat Falko Liecke mehr Geld für die gesundheitliche Prävention.

Vor allem beim Übergewicht haben sich die Werte der Neuköllner Schulanfänger in den letzten Jahren verbessert, wie die Ergebnisse der jährlichen Einschulungsuntersuchungen zeigen. Brachten 2013 noch 16,1 Prozent aller Sechsjährigen in Neukölln zu viel auf die Waage, waren es 14,3 Prozent in 2014. Nach vorläufigen Daten des Bezirks aus 2015 bestätigt sich dieser positive Trend. Erfreulich ist auch, dass die Sprachdefizite leicht sinken und die Zahngesundheit sich etwas verbessert hat.

Falko Liecke (CDU) betrachtet diesen Trend zurückhaltend: „In einigen Bereichen geht es in kleinen Schritten voran. Nach wie vor sind wir aber in vielerlei Hinsicht auf dem schlechtesten Rang aller Bezirke.“ Denn viele Untersuchungswerte bleiben konstant schlecht. So zeigt immer noch jedes vierte Kind Auffälligkeiten in der Hand-Auge-Koordination. Viele Eltern nehmen keine Vorsorgeuntersuchungen wahr und lassen ihre Kinder nicht impfen. Auch gehen in Neukölln weniger Kinder länger als zwei Jahre in eine Kita, als es woanders der Fall ist. So bleibt weniger Zeit, Sprach- und Entwicklungsrückstände aufzuarbeiten.

Familien, in denen Kinder von Beginn an schlechte Startbedingungen haben, will der Bezirk mit seiner 2012 gestarteten Präventionskette erreichen. Zu den Angeboten zählen Beratungen in Familienzentren, der Besuch Neugeborener durch Sozialarbeiter mit einem Willkommenspaket sowie eine Gesundheits-App (www.gesundes-neukoelln.de), eine Schreiambulanz und ein Babylotsenprojekt. „Mit unseren Präventionsprojekten versuchen wir, so früh wie möglich an Eltern in problematischen Lebensverhältnissen heranzukommen“, sagt Liecke. Gern würde er die Beratungs- und Hilfsangebote ausbauen. Das scheitert aber derzeit noch am Geld. Während der Bezirk jährlich 51 Millionen Euro für Hilfen zur Erziehung ausgibt (wo das Jugendamt in schwierigen Fällen intervenieren muss), bleiben für präventive Projekte nur 100 000 Euro. Liecke: „Gerade wird das Gesetz im Bund überarbeitet. Wir hoffen, dass uns danach mehr Mittel zur Verfügung stehen.“ SB
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