Steinwürfe und Zerstörung: Attacken auf Buchladen, Kirche und Café – Täter in der rechten Szene vermutet

Buchhändler Heinz Ostermann zeigt die Steine, die er vor seiner demolierten Scheibe gefunden hat. (Foto: Schilp)

Rudow. Unbekannte haben in der Nacht vom 11. auf den 12. Dezember versucht, das Schaufenster der Buchhandlung „Leporello“ an der Krokusstraße 91 zu zertrümmern. In derselben Nacht wurden ein Transparent an der nahe gelegenen Dorfkirche abgerissen und Hakenkreuze gesprüht.

Unter seinem Schaufenster fand Buchhändler Heinz Ostermann am Montagmorgen vier Pflastersteine. Er glaubt, dass die Täter sie gezielt als Wurfgeschosse mitgebracht hatten, denn auf dem Bürgersteig vor seinem Laden fehlten keine.

Seiner Überzeugung nach stammen die Täter aus der rechtsextremen Szene. Vermutlicher Anlass für den Angriff: Ostermann ist einer von zwölf Mitstreitern, die sich Anfang November zu der Initiative „Neuköllner Buchläden gegen Rechtspopulismus und Rassismus“ zusammengeschlossen haben. Am 2. Dezember kamen rund 50 Interessierte zu einer Veranstaltung ins "Leporello", um sich über Strategien gegen die AfD zu unterhalten. „Eine tolle Diskussion und eine bunte Mischung an Leuten“, sagt Ostermann. Einschüchtern lasse er sich von der Attacke auf den Laden nicht. Im Januar treffe sich die Initiative wieder, um neue Aktionen zu besprechen.

Der Buchhändler glaubt, dass die Täter in der fraglichen Nacht eine Rundfahrt unternommen haben, die sie auch zur Dorfkirche an der Köpenicker Straße 187 führte. Hier haben sie ein Spruchband zerstört, auf dem stand, dass Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus nicht mit dem christlichen Glauben zu vereinbaren seien.

„Ich habe Anzeige erstattet“, sagt Beate Dirschauer, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Rudow. In den nächsten Tagen werde ein neues Banner angebracht – in sicherer Höhe. An einer Brandwand neben dem Kirchengebäude haben die Täter zudem Hakenkreuze geschmiert, wie auch am Kiosk an der Ecke Alt-Rudow und Köpenicker Straße. Auch in Nord-Neukölln ist es in der Nacht vom 11. bis 12. Dezember zu einem Anschlag gekommen.

Der Rollladen des linken Cafés „k-fetisch“ an der Wildenbruchstraße 86 wurde aufgebrochen, darunter ein Brandsatz deponiert. Glücklicherweise sei das Feuer von selbst erloschen, teilen die Café-Betreiber mit. Der Staatsschutz der Polizei ermittelt. sus
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