100 Jahre Hebammenschule: Ausstellung im Museum Neukölln

Das Verwaltungsgebäude der Hebammenschule kurz nach der Eöffnung im Jahr 1917. Etwa drei Jahre dauerten die Bauarbeiten. (Foto: Museum Neukölln)

Neukölln. Die Neuköllner Hebammenschule feiert einen runden Geburtstag: In 100 Jahren sind hier mehr als 2000 Geburtshelferinnen ausgebildet worden. Anlass genug für eine Ausstellung und einen kleinen Rückblick.

Ihren ursprünglichen Sitz hatte die Hebammen-Lehranstalt am Mariendorfer Weg 28-38, der späteren Frauenklinik. Das Aus für dieses Krankenhaus, in dem unzählige Neuköllner das Licht der Welt erblickten, kam 2005. Nach Jahren der Verwahrlosung entsteht hier seit einigen Jahren – rund um die alten Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen – ein edles Wohnquartier.

Daran war 1914 noch nicht zu denken, als der Bau des Hebammen-Instituts begann. Nach rund dreijähriger Bauzeit konnte es am 1. Juli 1917 eröffnet werden. Der Bedarf an professionellen Geburtshelferinnen war immens, schließlich lag die Säuglingssterblichkeit im Kaiserreich bei 15 Prozent, fast jedes sechste Baby starb.

Nahezu alle Kinder wurden damals zu Hause geboren, oft unter erbärmlichen Bedingungen. Es tat also bitter not, Schwangere nach modernen Hygienestandards zu versorgen und im großen Stil Hebammen auszubilden.

Bauherrin der Schule war kurioserweise die Provinz Brandenburg: Die Stadt Neukölln, die damals noch nicht zu Berlin gehörte, stellte den 35 000 Quadratmeter großen Grund und Boden unentgeltlich zur Verfügung. Im Gegenzug verpflichtete sich Brandenburg, bedürftigen Wöchnerinnen aus der schnell wachsenden Arbeiterstadt Aufnahme, Unterhalt, Geburtshilfe und ärztliche Behandlung zu gewähren.

Zu Beginn gab es 195 Betten. Allein im Laufe der ersten zehn Jahre der Anstalt wurden rund 500 Hebammen ausgebildet. 1927 wurde die Schule durch einen Anbau auf 346 Betten erweitert und nannte sich nun „Brandenburgische Landesfrauenklinik und Hebammenlehranstalt“.

Die heutige staatlich anerkannte Hebammenschule am „Institut für berufliche Bildung im Gesundheitswesen“ am Vivantes-Klinikum, Rudower Straße 48, ist eine direkte Nachfolgerin. Hier gibt es aktuell über 60 Ausbildungsplätze für Hebammen. Die dreijährige Ausbildung endet mit einem Staatsexamen.

Wer mehr wissen möchte: Das Museum Neukölln hat mit Fotos und Dokumenten die Geschichte der Schule unter dem Motto „Ein Beruf fürs Leben“ nachgezeichnet. Zu sehen ist sie bis zum 22. Oktober im Mutter-und-Kind-Zentrum des Vivantes-Klinkums (Eingang Kormoranweg). Eine Begleitbroschüre ist erhältlich. sus

Weitere Informationen gibt es auf www.museum-neukoelln.de.
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