Auf den Spuren von Freddy Schorn: Heimathafen-Regisseurin sucht Senioren für Theaterprojekt

Der einstige Neuköllner Alfred Schorn lebt seit vielen Jahren in den USA. Foto: (Foto: Katia Berg)

Neukölln. Der Heimathafen Neukölln arbeitet an einem ungewöhnlichen Theaterprojekt und sucht dafür Menschen, die zwischen 80 und 95 Jahre alt sind. Voraussetzung ist, dass sie Lust haben, aus ihrem Leben zu erzählen.

„Finding Freddy“ (Freddy finden) heißt das Projekt, und im Mittelpunkt steht Alfred Schorn. Schon die kargen Fakten lassen ahnen, wie bewegt sein Leben war. Er wird 1925 geboren und lebt im Norden Neuköllns, in der Weichselstraße 53 und in der Donaustraße 12.

Schorn geht zur Rütli-Schule, die damals noch einen anderen Namen trägt. Als Achtjähriger erfährt er, dass er Halbjude ist, mit elf gewinnt er bei der Jugendolympiade ein Exemplar von „Mein Kampf“. Als 19-Jähriger wird er zur Zwangsarbeit rekrutiert. Mit 20 holt er seine Mutter aus dem KZ Theresienstadt ab, wird Polizist und arbeitet auf der Wache an der Wildenbruchstraße. Mit 21 spioniert Alfred, Freddy, für die Amerikaner im russischen Sektor, dann fliegt er auf und setzt sich nach Amerika ab.

Heute lebt Alfred Schorn in der Nähe von New York, wo er vor einigen Jahren eine junge Neuköllnerin kennenlernte. Über sie kam die Regisseurin Stefanie Aehnelt mit ihm in Kontakt und entwickelte die Idee zu ihrem Projekt. Sie will sich mit Zuschauern auf die Fährte von Freddy begeben und dabei auf Zeitgenossen von ihm treffen.

Wie das genau aussehen wird, hänge von den Menschen ab, die sich meldeten, sagt Aehnelt. Auf jeden Fall solle kein Stück auf einer Bühne aufgeführt werden, sondern sie plane einen Parcours, einen Kiezspaziergang. Zeitzeugen sollen mit jüngeren Menschen zusammenkommen und von sich und ihrem Leben erzählen.

Unter vier Augen

„Aber sicher hat nicht jeder Lust, zu Hause oder im Seniorenheim besucht zu werden. Dann ist es zum Beispiel auch möglich, unter vier Augen ein Interview zu führen, zu plaudern oder einen kleinen Film zu drehen. Erst einmal will ich die Menschen einfach kennenlernen.“

Stefanie Aehnelt hält es eher für unwahrscheinlich, dass sie jemanden findet, der Alfred Schorn tatsächlich persönlich gekannt hat – obwohl das natürlich ein echter Glücksfall wäre. „Es geht in erster Linie darum, dass die Mitwirkenden Freddy theoretisch hätten gekannt haben können“, sagt die Regisseurin.

Wer Interesse daran hat, bei dem Projekt mitzumachen oder einen Kontakt zu solch einer Person vermitteln kann, melde sich bitte im Heimathafen bei Stefanie Aehnelt unter  56 82 13 34 oder auch per E-mail freddy@heimathafen-neukoelln.de. sus
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