Krasse Mieterhöhung und Ballermann: Pflüger68 verlässt den Reuterkiez

Anja Bischoff fühlt sich im Reuterkiez nicht mehr wohl und zieht die Konsequenz: Sie verlässt das Quartier. (Foto: Sylvia Baumeister)
Berlin: Pflüger68 |

Neukölln. Im Jahr 2007 eröffnete in der Pflügerstraße 68 eine Bürogemeinschaft, in deren Räumen regelmäßig zeitgemäße Kunst gezeigt wurde. Eine Ausstellung der Neuköllner Künstlerin Li Koelan markiert nun den Schlusspunkt. Pächterin Anja Bischoff verrät einiges über die Hintergründe.

Der Titel der letzten Ausstellung der Galerie Pflüger68 passt gut zur aktuellen Situation. „Non Finito … Finito“ heißt die Schau, die vom 26. Oktober an Texte, Bilder und Objekte der Textilkünstlerin Li Koelan zeigt. Die Finissage am 11. Dezember dieses Jahres bedeutet auch das Ende dieses Veranstaltungsortes.

Grund für die Bürogemeinschaft, hier nach acht Jahren die Segel zu streichen, ist unter anderem eine gewaltige Mieterhöhung. Für drei Büroräume mit Küche und Bad, insgesamt 81 Quadratmeter groß, werden statt bisher 7,66 Euro nettokalt nun 14 Euro gefordert.

Für die fünf Freiberufler ist das nicht mehr zu bezahlen. „Solche Mieten kann nur ein gastronomischer Betrieb einspielen, der hier wohl auch reinkommen wird“, meint die Mediendesignerin Anja Bischoff, die den Mietvertrag 2007 für 450 Euro nettokalt abgeschlossen hatte.

Die Eigentümerin, eine GmbH, hatte sich zuletzt nur noch widerwillig auf zwei kurzfristige Verlängerungen eingelassen. Ein Spätshop im selben Haus musste bereits ausziehen, weil er die neue Miete nicht zahlen konnte. Für Anja Bischoff geht es aber nicht allein ums Geld, wenn sie die Gegend verlässt.

„Der Reuterkiez hat sich verändert. Hier weht jetzt ein anderer Wind“, sagt sie. Sperrmüll, Fahrradleichen, Bierflaschen, das gehöre immer mehr zum Straßenbild. Und die vielen Touristen, die hier kurzzeitig wohnen und Partys feiern. „Der Kiez verkommt zur Sauf- und Fressmeile, zum Ballermann für Touristen“, findet Anja Bischoff. In letzter Zeit, so erzählt sie, stolperten öfter ganze Gruppen mit einer Bierflasche in der Hand in die Galerie. Das sei vor ein paar Jahren noch ganz anders gewesen: „Da kamen die wirklich Kunstinteressierten, weil sie es spannend fanden." SB

Weitere Informationen unter www.pflueger68.de.
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