Muharrem Batman macht Elektronik-Kunst und will ein Museum eröffnen

Muharrem Batman mit einem Uher-Tonbandgerät aus den 60er-Jahren. (Foto: Schilp)
 
„Digitale Demenz“ ist der Titel der Skulptur. Das Zwillingsexemplar hat Muharrem Batman an das Nixdorf-Museum in Paderborn verkauft. Foto: Schilp (Foto: Schilp)

Neukölln. Er repariert, entsorgt, verkauft und macht Kunst: Muharrem Batmans Herz schlägt für elektronische Geräte. Wer die Technik der 60er- bis 80er-Jahr liebt, kennt seinen Laden an der Hermannstraße 211. Und Batman hat Großes vor. Er will eine Brücke zwischen Neukölln und der Kleinstadt Schlieben im südlichen Brandenburg schlagen.

Besucher kommen von überall, um zu schauen und zu staunen – aus Kanada, Italien, den USA. Haben sie den Türsteher passiert, einen riesigen Gorilla aus Metallschrott, finden sie sich umgeben von Computern, Radios, Plattenspielern, Lautsprecherboxen, Uhren, Kaffeemühlen oder Telefonen.

Batman hasst Wegwerfmentalität, er klärt seine Kunden über Nachhaltigkeit und Wiederverwertung auf. Jeder, der einen Apparat loswerden will, kann ihn einfach bei ihm abgeben. Er repariert, was zu reparieren ist, „und das Gerät kann weiterleben“, sagt er. Bei modernen Produkten sei aber oft nichts zu machen, die seien bewusst auf Verschleiß gefertigt.

Was nicht zu gebrauchen ist, entsorgt er fachgerecht – oder macht Kunst daraus. „Alles, was schön aussieht, wird verbaut“, erklärt der 51-Jährige, der aus einer türkischen Uhrmacherfamilie stammt. Platinen, Widerstände, Kabel, Lämpchen, Spulen, Teile aus Keramik, Metall, Glas oder Plastik werden Teil farbenprächtiger Skulpturen. Inzwischen zahlen Liebhaber stattliche Preise dafür. Und es gibt nicht nur Kunst zum Anschauen, sondern auch zum Anziehen: Ein besonders schönes Stück ist das grüne Minikleid, gefertigt aus grünen Leiterplatten.

Auf die Idee kam er vor einigen Jahren. „Ich wollte eine ungewöhnliche Schaufensterdekoration.“ Mittlerweile macht er hauptsächlich die Entwürfe und überlässt Frauen die Feinarbeiten, zum Beispiel Ayse, einer seiner vier Schwestern.

Seit knapp drei Jahren lebt Muharrem Batmann in Schlieben, im südlichen Brandenburg. Seine Lebensgefährtin Lucie und er wechseln sich seitdem damit ab, nach Neukölln zu pendeln. Und so soll es bleiben. „Ich liebe meinen Laden und die Leute lieben mich“, sagt Batman.

Doch er plant, eine Verbindung zwischen den beiden Orten, die ihm so viel bedeuten, zu schaffen. „Ich möchte die Berliner aufmerksam auf Schlieben machen und in Schlieben etwas für die Kultur und Wirtschaft tun“, erklärt er. Die Idee ist, in Schlieben ein Mekka für Elektronikfans zu schaffen – ein Museum für Unterhaltungselektronik, Computergeschichte und Elektronik-Kunst, in dem die Besucher auch über Wiederverwertung und Ressourcen-Schutz aufgeklärt werden. Ebenfalls anschließen möchte er einen Online-Service für Reparaturannahmen und eine Werkstatt. „Wir wollen in Brandenburg produzieren und in Neukölln verkaufen und ausstellen.“

Das Museum soll das Herzstück eines größeren Kunst- und Kulturzentrums mit Ateliers, Veranstaltungsräumen und einer Jugendeinrichtung werden. Ein leerstehendes Gebäude-Ensemble hat Batman bereits ausgespäht. Kaufen kann er es allerdings nicht, dazu fehlt es das Geld. Jetzt stehen Verhandlungen mit der Kommune an. Er hofft auf offene Ohren. „Ich will mich ja nicht bereichern, sondern Bereicherung bringen“, sagt Batman.

Wenn alles klappt, soll die erste Veranstaltung im neuen Kulturzentrum eine ganz besondere sein: „Ich will Lucie heiraten, und wir werden uns in Elektronikschrott kleiden – von den Schuhen bis zum Hut.“ sus

Batman Elektronik, Hermannstraße 211, montags bis freitags, 10–18 Uhr.
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