Von Metallkunst bis zum Sportpark: Tag des offenen Denkmals lädt Architektur- und Geschichtsinteressierte ein

Die Alte Dorfschmiede auf dem Richardplatz wurde 1624 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. (Foto: Schilp)
 
Der Betsaal der Brüdergemeine ist der einzige moderne Bau in der idyllischen Kirchgasse. Foto: Schilp (Foto: Schilp)

Neukölln. Am 9. und 10. September, dem Tag des offenen Denkmals, gibt es für jedermann die Gelegenheit, Blicke in Bauten, Werkstätten und Grünanlagen zu werfen. Auch in Neukölln sind viele Türen und Tore geöffnet.

Natürlich sind in diesem Jahr wieder Orte dabei, die seit Jahren mitmachen, zum Beispiel das Schloss Britz samt dem wunderschön restaurierten Gutshof, die Hufeisensiedlung, seit 2008 Unesco-Welterbe, und die Britzer Mühle.

Aber die Besucher haben auch Zutritt zu Gebäuden, die sonst nicht oder nur selten zu besichtigen sind. So lädt Gabriele Sawitzki in ihre Werkstatt für Metallkunst an der Bürgerstraße 17 ein. Ihr Betrieb ist am 10. September von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Alte Handwerkstechniken werden vorgeführt, und es ist viel über denkmalgerechte Restaurierung zu erfahren.

Die alte Dorfschmiede auf dem Richardplatz ist sogar an beiden Tagen geöffnet: am Sonnabend von 9 bis 20 Uhr und am Sonntag von 12 bis 18 Uhr. Auch hier, in Berlins ältester Schmiede, die auch noch als solche genutzt wird, dürfen die Gäste den Handwerkern über die Schulter schauen. Heutzutage werden auf dem Richardplatz hauptsächlich Messer hergestellt. Besonderheiten sind der Luftschmiedehammer von Bêché & Grohs und die Herstellung von Damaszener-Stahl.

Ganz in der Nähe der Dorfschmiede ist der Betsaal der evangelischen Brüdergemeinde zu finden, nämlich an der Kirchgasse 14–17. Peter Lehrecke hat ihn 1962 im Stil der Nachkriegsmoderne errichtet. Erst im Inneren zeigt er seine ganze Schönheit. Der lichtdurchflutete Saal spiegelt die Glaubensgrundsätze der Böhmischen Glaubensflüchtlinge wider, die sich im 18. Jahrhundert in Rixdorf ansiedelten, und ihrer noch hier lebenden Nachfahren.

Unter dem Motto „Schlichtheit und Zurückhaltung – Architektur als Ausdruck des Glaubens“ führt Stefan Butt am 9. September um 11 Uhr durch das Gebäude. Er bittet um Anmeldung unter  68 99 97 20 oder boehmischesdorf@yahoo.com.

Etwas ganz anderes erwartet die Besucher auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof: Dort können sie Spuren des Neuköllner Spiel- und Sportparks finden, der 1924-1935 angelegt wurde. Der heutige Werner-Seelenbinder-Sportpark ist nur ein kleiner Teil der einst riesigen Anlage, die bei der Bevölkerung ungemein beliebt war.

Die meisten Bauten mussten nach dem zweiten Weltkrieg der Luftbrücke weichen. Marlis Fuhrmann und Axel Zutz führen Interessierte zur noch erhaltenen Stadionanlage, zum Hockeyspielfeld, zur Pfeilerhalle, den Resten der Freitreppe und den Relikten der gärtnerischen Anlagen. Treff ist am Sonnabend um 11 und 14 Uhr sowie am Sonntag um 11 und 17 Uhr am Flugfeld-Eingang an der Herrfurthstraße.

Um ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte geht es bei den Rundgängen am 9. und 10. September, die Annette Wodinski veranstaltet. Von 1943 bis 1945 betrieb die evangelische Kirche das Berliner „Friedhofslager“ an der Hermannstraße. Hier mussten mehr als 100 „Ostarbeiter“ aus der besetzten Sowjetunion leben und schuften. Es war das einzige Lager in ganz Deutschland, das von der Kirche geplant, finanziert und betrieben wurde.

Treffpunkt zu den Führungen (15 und 17 Uhr) ist am Ausstellungspavillon, Hermannstraße 179. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, ist eine Anmeldung bis Mittwoch, 6. September, unter  693 16 20 oder info@kirchliches-zwangsarbeiterlager.de nötig. sus

Das gesamte Programm zum Tag des offenen Denkmals ist zu finden auf tag-des-offenen-denkmals.de.
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