Was verbindet Oskar Mazerath und Gottlieb Rose mit der Uthmannstraße?

Berühmter Drehort: Die Uthmannstraße mit Blick Richtung Karl-Marx-Straße. (Foto: Schilp)

Hier sieht es mehr nach Danzig aus als in Danzig selbst: Das fand Regisseur Volker Schlöndorff, als er die Uthmannstraße entdeckte. Also drehte er hier einen Teil von „Die Blechtrommel“, einem der berühmtesten deutschen Spielfilme.

Die schmale, baumlose und kopfsteingepflasterte Straße mit ihren damals noch unsanierten Häusern verwandelte sich 1978 in den Danziger Labesweg. Hier erblickte die Hauptfigur Oskar Mazerath das Licht der Welt, hier betrieb sein Vater einen Kolonialwarenladen. Der Schriftsteller Günter Grass hatte die Geschichte um den Jungen, der nicht wachsen will, in den 1920er- bis 40er-Jahren angesiedelt.

Im Stil der Zeit gekleidet, waren also des Öfteren Hauptdarsteller David Bennent und seine Filmeltern Angela Winkler und Mario Adorf am Neuköllner Drehort zu sichten. Im Film ist die Uthmannstraße allerdings eine Sackgasse. Den Blick zur Karl-Marx-Straße versperrte eine Kulisse, die die „Danziger Aktien-Bierbrauerei“ zeigte. Die Blechtrommel war ein großer Erfolg: 1979 bekam Schlöndorff die goldene Palme von Cannes, ein Jahr später einen Oscar für den besten fremdsprachigen Film.

Aber es gibt noch mehr Interessantes über die Straße zu berichten. Bevor sie 1947 nach dem Laienkomponisten und Arbeiterchor-Dirigenten Gustav Adolf Uthmann (1867–1920) getauft wurde, trug sie zwei weitere Namen. Die ursprüngliche Bezeichnung lautete Rosenstraße. Wer aber meint, die Königin der Blumen habe Pate gestanden, der irrt. Nein, es war ein sturer Maurer. Gottlieb Rose hatte 1827 an dem Weg zwischen Richard- und Bergstraße, der heutigen Karl-Marx-Straße, ein Haus gebaut und es kurzerhand mit einem Schild samt der Aufschrift „Rosenstraße“ geschmückt.

Das allerdings brachte die Polizei auf den Plan, schließlich durfte nur der Berliner Magistrat Straßenbezeichnungen vergeben. Doch Rose weigerte sich, das Schild abzumontieren. Er habe eine Genehmigung von dem Rixdorfer Gemeindeschulzen Karl Friedrich Wilhelm Pflüger erhalten, argumentierte er. Seine Hartnäckigkeit hatte Erfolg: 1839 wurde die Benennung als rechtmäßig anerkannt.

So blieb es 99 Jahre lang. Doch im September 1938 wurde die Straße zum ersten Mal umbenannt – in Richardsburgweg. Die Richardsburg war ein ganz in der Nähe liegendes Lokal, in dem sich die Neuköllner SA traf. Ausgerechnet im Erdgeschoss einer riesigen Mietskaserne, in dem viele „Rote“ lebten. Eine enorme Provokation. Aber das ist eine andere Geschichte, die ein anderes Mal erzählt werden soll.
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