Wie der Mauerfall das Leben von Norbert Kleemann veränderte

Norbert Kleemann am Böhmischen Platz, wo er die "Rixdorf-Saga" als Theaterstück veranstaltete. (Foto: Sylvia Baumeister)

Neukölln. Nach dem Mauerfall vor 25 Jahren ging Norbert Kleemann nach Frankfurt am Main. Von dort brachte er sechs Jahre später die Idee für das Kunst- und Kulturfestival 48-Stunden-Neukölln mit. Mit zahlreichen weiteren Kulturprojekten schaffte er es, den Bezirk in einem anderen Licht zu präsentieren.

Wer in Neukölln mit dem Kultursektor zu tun hat, kommt an Norbert Kleemann kaum vorbei. Denn der 61-Jährige hat viele Ideen, die er mit seinen Mitstreitern seit 1996 in die Tat umsetzt. Dazu gehört unter anderem das Strohballenfest Popráci am Richardplatz, das seit 2008 am ersten Septemberwochenende gefeiert wird. Im Rahmen des Fests engagierte er sich für die Freundschaft mit der tschechischen Partnerstadt Usti nad Orlici. Dafür wird er jetzt vom Bezirk ausgezeichnet. Viele Kinder und Jugendlichen aus Nord-Neukölln spielten in der von seinem Verein traumpfad veranstalteten "Rixdorf-Saga" im Rahmen von Popráci mit.

In Neukölln hat Norbert Kleemann aber noch weit mehr auf die Beine gestellt, das mit dem Mauerfall seinen Anfang nahm. Um seine Geschichte zu erzählen, muss man zurückgehen zum Tag des Mauerbaus am 13. August 1961. In Ost-Berlin lebend, war der Siebenjährige gerade mit seiner Mutter und zwei Geschwistern zu Besuch bei Bekannten in West-Berlin. Sie blieben, durchlebten aber mit der alleinerziehenden Mutter in Aufnahmelagern und einer Siedlung für sozial schwache Familien schwere Zeiten.

Nach dem Abitur studierte der gute Schüler Sozialarbeit. "Ich wollte jedoch nie Sozialpädagoge sein", sagt Norbert Kleemann. Stattdessen begann er, in renommierten Theatern zu jobben, bis er zum Kabarett "Die Stachelschweine" kam, wo er sich fast bis zum Geschäftsführer hocharbeitete. In Wedding baute er danach ab 1984 ein Kulturzentrum auf. "Nach dem Mauerfall beschloss ich, mit meiner Freundin nach Frankfurt am Main zu ziehen", erzählt er.

Dort organisierte er kulturelle Stadtteilveranstaltungen, auf denen Angebote, Highlights und neue Orte der Kunst präsentiert wurden. Zurück in Berlin, machte er sich beim Verein Kulturnetzwerk 1996 daran, das Kunst- und Kulturfestival 48-Stunden-Neukölln auf die Beine zu stellen. Noch bevor es 1998 zum ersten Mal stattfand, war Norbert Kleemann wieder weg. Er wurde City-Manager in der Karl-Marx-Straße, war danach mit "Safran-Films" selbstständig und bespielte mit Mitstreitern die Traumfabrik in der Braunschweiger Straße, auch im Rahmen der 48-Stunden-Neukölln. Dort gründeten sie den Verein traumpfad, der ab 2011 als KGB 44 in die Hertzbergstraße 1 zog. Zwar existiert das touristisch orientierte Projekt jetzt nicht mehr, Norbert Kleemann hat aber längst neue Pläne. Sein Resümee: "Wir haben erreicht, dass Neukölln heute in den Medien in einem ganz anderen Licht dasteht, indem wir ganz neue Schubladen aufgemacht haben."


Sylvia Baumeister / SB
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