Gedenkkonzert für 34 000 holländische Juden

Der 93-jährige Jules Schelvis (Foto: Holocaust History Archiv)

Neukölln. Kaum vorstellbar: Jules Schelvis hat neun Konzentrationslager überlebt. Am Mittwoch, 2. Juli, um 20.30 Uhr kommt der 93-jährige Holländer in die Martin-Luther-Kirche, Fuldastraße 50. Bei einem Gedenkkonzert berichtet er vom Vernichtungslager Sobibor.

Dort wurden rund 34 000 niederländische Juden ermordet. Während des Konzerts erzählt Jules Schelvis, der Sobibor, Auschwitz und sieben weitere KZ überlebte, in deutscher Sprache von seinem über 72 Stunden dauernden Transport nach Sobibor im heutigen Ostpolen. Sein Zeitzeugenbericht wird begleitet vom Nationalen Symphonie- und Kammerorchester der Niederlande. Die 35 Musikerinnen und Musiker spielen Stücke von Edvard Grieg, Johann Sebastian Bach, Edward Elgar und anderen.

Am 1. Juni 1943 wurde Jules Schelvis, gemeinsam mit seiner Frau Rachel, ihrer Familie und 3000 weiteren Juden aus den Niederlanden in Viehwagons zum Vernichtungslager Sobibor transportiert. Fast alle, auch seine Frau, wurden direkt nach der Ankunft vergast. Jules Schelvis gehörte zu den 81 jungen Männern, die ausgewählt wurden, um als sogenannte Arbeitsjuden in anderen Lagern zu arbeiten. Nach dem Krieg stellte sich heraus, dass er als Einziger seines Transports überlebt hatte.

Das Konzert in Neukölln ist das zweite in einer Reihe, die in Amsterdam begann und nach Sobibor führt. Die drei Konzerte symbolisieren den Transportweg zum Lager, der vor 71 Jahren stattfand. Jules Schelvis will seine Erinnerungen der nächsten Generationen vermitteln. "Ich wünsche mir, dass sie später, wenn es keine Überlebenden mehr gibt, ihren Kinder weitergeben, was im Zweiten Weltkrieg mit den Juden geschah. Wenn sie das tun, und das ist meine größte Hoffnung, konnte ich mit meinem Zeitzeugenbericht zum Gedenken der 34 000 Juden aus den Niederlanden ein kleines Steinchen beitragen."

Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei. Weitere Informationen unter 68 90 42 08.

Susanne Schilp / susch
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