Geschichten aus dem Milieu: Premiere: Connie Roters stellt ihren neuen Krimi "Endstation Neukölln" vor

Schrifstellerin Connie Roters am Weigandufer, ganz in der Nähe ihrer Wohnung. (Foto: Rebekka Brather)
 
Connie Roters mit ihrem neuen Roman. (Foto: Schilp)
Berlin: Buchhandlung Die gute Seite |

Neukölln. Connie Roters lebt seit mehr als 30 Jahren in Neukölln, und dort spielen auch ihre Krimis rund um den versoffenen Kommissar Stefan Breschnow. Nun hat sie den dritten Band der Reihe veröffentlicht. Für 18. Juli lädt die Autorin zur Premierenlesung ein.

In „Endstation Neukölln“ muss Breschnow zwei Morde klären: ein erstochener Dealer in einer Fixerwohnung am S-Bahnhof Neukölln und ein erschlagener Rechtsradikaler im Schillerkiez. Hängen die Taten zusammen? Connie Roters erzählt von der Drogen- und Obdachlosenszene, von Gewalt, Neo-Nazis und smarten Dealern. Und von der 18-jährigen Kimmie, die den kaputten Verhältnissen in der Gropiusstadt entfliehen will – und nicht kann.

„Das ist mein bisher persönlichstes Buch“, sagt Connie Roters. Denn sie kennt die Welt gut, von der sie schreibt. Mit der Drogenproblematik beschäftigt sie sich schon lange, und als Sozialarbeiterin hat sie sich mehr als zehn Jahre um traumatisierte und verhaltensauffällige Jugendliche gekümmert. Sie ist harten Fällen begegnet: einem 13-Jährigen, der ihr kalt von seinem brutalen Überfall auf eine alte Frau erzählte, einem Siebenjähriger, der versucht hat, seinen kleinen Bruder umzubringen. „Abgebrüht wie ein 17-Jähriger, das war kein Kind mehr“, sagt sie.

Viele der Jugendlichen hätten aber auch ein starkes Gerechtigkeitsbewusstsein. So wie ihre Romanfigur Kimmie, in die sich die Autorin während des Schreibens regelrecht verliebt hat. „Aber sie hätte eine helfende Hand gebraucht, einen erfahreneren Kumpel“, sagt Roters. Doch weil das wahre Leben einer Kimmie selten eine Chance gibt, verweigert sie ihr auch die Autorin. Und der Leser schluckt.

Es ist offensichtlich: Connie Roters schreibt nicht allein, um zu unterhalten, sondern hat ein gesellschaftspolitisches Anliegen. Die Form des Krimis mit seiner kühlen, schnörkellosen Sprache komme ihr sehr entgegen, sagt sie.

Begonnen hat alles mit einem Kurs: Kreatives Schreiben an der Neuköllner Volkshochschule. „Ich habe ihn dreimal hintereinander gemacht. Das war toll: 15 Leute bekommen ein Thema und schreiben 15 unterschiedliche Geschichten.“ Sie selbst schickte irgendwann in einer kurzen Erzählung Journalistin Cosma los, die eine Leiche fand. „Dann habe ich überlegt: Wer ist der Ermordete? Ein Afghanistan-Soldat! Warum musste er sterben?“ Die Geschichte nahm Fahrt auf. Connie Roters dachte inzwischen über eine Ermittlerin nach, ganz klar, dass es eine Frau sein sollte. Und dann passierte etwas, womit sie nicht gerechnet hatte. Ihre Figur kam zu ihr: „Plötzlich steht Breschnow an meinem Schreibtisch. Ach, dachte ich, das ist jetzt mein Kommissar? Ein Mann und dann auch noch so ruppig? Naja, inzwischen mag ich ihn.“ Bald fand der Ermittler seine Teamkollegen und der erste Roman „Tod in der Hasenheide“ entstand.

Auch die Afghanistan-Problematik hat einen Bezug zu Connie Roters Leben. Ihr Vater war Berufssoldat, mit ihm diskutierte sie viel über die deutschen Auslandseinsätze und darüber, was Krieg mit Männern macht. In ihrem zweiten Buch „Das Grab ihm Schnee“, das die Absurditäten des Showbusiness aufzeigt, schöpfte sie wieder aus persönlichen Erfahrungen. Denn bevor sie Sozialarbeiterin wurde, studierte sie Journalistik, Publizistik, Soziologie, war Kultur-Journalistin, hatte eine Künstleragentur und verdingte sich als Expertin für Spezialeffekte für Fernseh- und Kinofilme. „Ich sammle Berufe genauso wie Wohnungen, ich bin schon 26 Mal umgezogen“, sagt sie.

Zumindest beim Beruf Autorin wird nun es erst einmal bleiben, denn Kommissar Breschnew soll noch in mindestens zwei Fällen ermitteln. Das nächste Buch ist schon fast fertig. Es spielt in der Pädophilen-Szene. Gewidmet ist es dem vierjährigen Flüchtlingsjungen Mohamed, der 2015 vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales von einem deutschen Mann entführt, missbraucht und ermordet wurde. „Das Thema ist mir enorm schwergefallen. Ich ekle mich manchmal vor dem, was ich selbst schreibe“, so Roters. Aber es gebe Geschichten, die erzählt werden müssen.

Die Premierenlesung von „Endstation Neukölln“ ist am Dienstag, 18. Juli, um 19.30 Uhr in der Buchhandlung „Die gute Seite“, Richardplatz 16. Der Eintritt ist frei. sus

Connie Roters: Endstation Neukölln, Emons Verlag, 383 S., 12,90 Euro, ISBN 978-3-7408-0206-6.
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