Bezirk Neukölln beteiligt sich am Themenjahr "Zerstörte Vielfalt"

Neukölln. Mit eigenen Veranstaltungen beteiligt sich der Bezirk am Berliner Themenjahr "Zerstörte Vielfalt". Mit über 500 Veranstaltungen in ganz Berlin soll an Menschen erinnert werden, die in der Zeit des Faschismus bedroht, verfolgt, deportiert und ermordet wurden.

Vor 80 Jahren - am 30. Januar 1933 - übernahmen die Nazis die Macht in Deutschland. Knapp sechs Jahre später, am 9. November 1938, schlug der Antisemitismus des Regimes in staatlich organisierte Gewalt um. Das sind die Eckdaten für die Gedenkveranstaltungen für den 80. Jahrestag der Machtergreifung der Nationalsozialisten und den 75. Jahrestag der Novemberpogrome. Auch in Neukölln bereiten sich Organisationen auf die Teilnahme am Berliner Themenjahr 2013 vor: "Verschleppt - Getreten - Beschimpft - Bedroht" heißt eine Veranstaltung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg. Damit soll am 14. April um 14 Uhr über die NS-Zwangsarbeiter im kirchlichen Lager auf dem Neuköllner St. Thomas-Friedhof informiert werden.

"Ende einer Idylle? Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung in Britz vor und nach 1933" heißt eine Ausstellung, die das Museum Neukölln ab 16. Mai zeigen wird. Zur Einstimmung hat das Museum in seinem Blog den Themenschwerpunkt "50 Türen in die NS-Zeit" gesetzt. Darin werden Schicksale von Britzer Juden im Nationalsozialismus geschildert.

Noch bis zum 30. April ist in der Feierhalle des ehemaligen Militärfriedhofs in Neukölln immer dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr die Wanderausstellung zum Thema "Die polnischen Minderheiten im KZ" zu sehen. Dabei geht es um die Mitglieder polnischer Verbände im deutschen Reich und in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Ravensbrück.

Eine besondere Ausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand beschäftigt sich ab 19. Juli mit den politischen Häftlingen des ersten Berliner Konzentrationslagers - dem Columbiahaus. Heute erinnert nur ein Denkmal am Columbiadamm, wenige Schritte von der Neuköllner Bezirksgrenze entfernt, an das KZ. Es hatte unter den Berliner Konzentrationslagern eine besondere Bedeutung. "Es ist das einzige Lager", so Prof. Dr. Johannes Tuchel, Leiter der Gedenkstätte deutscher Widerstand, "das von Beginn an unter Aufsicht der SS stand und zum Ausbildungszentrum für viele spätere KZ-Kommandanten wurde." Im November 1936 wurde das Lager geschlossen, 1938 das Gebäude abgerissen. In der Ausstellung stehen die Häftlinge im Vordergrund. Ihr Alltag wird durch ausgewählte Biografien veranschaulicht und so ein individueller Zugang zu den Schicksalen der Menschen sowie den Haftbedingungen, denen sie ausgesetzt waren, ermöglicht.

Auf dem Tempelhofer Feld wird anlässlich des Themenjahres "Zerstörte Vielfalt" ein Open-Air-Geschichtspfad zur NS-Geschichte des Flughafengeländes angelegt: Dazu werden zunächst im Frühjahr zu den drei bereits bestehenden Gedenktafeln zehn weitere Info-Tafeln folgen.


Klaus Tessmann / KT
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