Christian Klier schreibt ein Buch über den "Späti"

Der junge Autor Christian Klier (ganz links) feierte sein neu erschienenes Buch mit Freunden - und, wie es sich gehört, in einem "Späti" in Neukölln. (Foto: KEN)

Neukölln. Ein junger Student der visuellen Kommunikation wählt für seine Diplomarbeit die Berliner Institution des Spätkaufs - und schreibt gleich ein wegweisendes Standardwerk.

Die Präsentation des neuen Buches wird standesgemäß in einem "Späti" gefeiert. Der Berlin Story Verlag, der Christian Klier verlegt, hat in die "Eck-Oase" an der Ecke Reuter- und Flughafenstraße eingeladen.

Drangvolle Enge, lautes Hallo. Es regnet Glückwünsche. Es kommt nicht häufig vor, dass eine Diplomarbeit zum Buch wird. Er habe 2013 seine Abschlussarbeit in der Diplomanten-Ausstellung seiner Hochschule, der Kunsthochschule Weißensee, präsentiert, erzählt Christian Klier. Eine Journalistin habe sie entdeckt und darüber geschrieben. Auf den Artikel wiederum sei der Verlag aufmerksam geworden. "Die sind dann auf mich zugekommen", sagt Christian Klier. "Der Späti - Eine Ortsuntersuchung in Berlin" klingt erstmal ziemlich dröge. Es ist aber keine soziologische Untersuchung, sondern ein quietschbunter, amüsanter Reiseführer für Berliner und ihre Gäste. Der heute als Grafikdesigner arbeitende 30-Jährige hat einen eigenen Kosmos durchforscht.

Er durchlebte, analysierte und dokumentierte das Großstadt-Phänomen "Späti" von allen Seiten, insbesondere in seinem Neuköllner Kiez. Seine Arbeit sei "an manchen Stellen vielleicht etwas eigenwillig, vor allem aber sehr subjektiv", sagt der Meisterschüler von Alex Jordan.

Auf 176 Seiten erklärt Christian Klier in Bild und Text und mit sehr viel Sympathie den Spätkauf im Allgemeinen und seine Berliner Variante im Besonderen. Er erzählt dessen Geschichte vom osmanischen Kiosk ("Köshk") bis heute, porträtiert drei besonders markante Läden, zeigt die gelungensten Geschäftsmodelle und präsentiert in einer Fotoserie augenzwinkernd die schönsten Sitzmöglichkeiten, Händler und Kunden. Und noch eine Besonderheit gibt es im Buch: ein Fünf-Gänge-Menü aus dem Späti-Sortiment, gekocht von Sterneköchen.

Der "Späti" in der Hauptstadt spiegelt den jeweiligen Kiez wider. Hier treffen Menschen der unterschiedlichsten Milieus aufeinander. Er ist wohl der demokratischste Ort in der Stadt. Rund 900 gibt es in Berlin. Sie sind durchweg kurios und einzigartig. "Spätis sind moderne Tante-Emma-Läden, nicht konformistisch, sie passen in keine Norm und müssen das auch nicht", schreibt Christian Klier.

Der Autor hat noch weitere erstaunliche Fakten zusammengetragen. 200 Kunden täglich hat ein "Späti" im Durchschnitt. Allein 17 Läden gibt es in der Sonnenallee. 69 Prozent der Händler sind türkischer Herkunft. 60 Prozent der Kunden sind jünger als 30 Jahre. Ein klassischer Spätkauf misst 38 Quadratmeter an Ladenfläche. Sieben von zehn Händlern lassen ihre Kunden anschreiben. Das Sortiment eines "Spätis" reicht vom WC-Papier bis zum Jagdmesser. Und warum ist der "Späti" so erfolgreich in Berlin? "Die Berliner gelten als sehr bequem", lautet Christian Kliers Antwort.

"Der Späti - Eine Ortsuntersuchung in Berlin", Berlin Story Verlag 201, ISBN 978-3-86368-115-9 kostet 9,95 Euro. Infos gibt es unter www.christianklier.com

Karen Noetzel / KEN
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