Gemeinschaftshaus Morus 14 wird zehn Jahre alt

Florin Winter arbeitet einmal wöchentlich mit Ali aktuellen Stoff durch. (Foto: Sylvia Baumeister)

Neukölln. Eine handvoll Bewohner und die damaligen Quartiersmanager Renate Muhlak und Gilles Duhem gründeten im Herbst 2003 den Förderverein Gemeinschaftshaus Morus 14. Entwickelt hat sich daraus ein erfolgreiches Sozialprojekt mit einer wechselvollen Geschichte.

Viele Auszeichnungen hat der Verein schon erhalten. Unter anderem gab es 2005 den Integrationspreis des Landesbeirats für Integration und Migration, gefolgt vom ersten Preis der Berliner Landeskommission gegen Gewalt und 2009 vom Hauptstadtpreis für Integration und Toleranz. Die Geschichte begann klein: Einige Bewohner und die Quartiersmanager Renate Muhlak und Gilles Duhem wollten das einjährige ABM-Projekt "Mieter kochen für Mieter" im Gemeinschaftshaus weiterführen. "Mit den Bewohnern wollten wir im Kiez ein positives Zeichen setzen", erzählt Duhem.

Ziel war es, eine nachhaltige Struktur und eine Plattform der Kommunikation zu schaffen, um das Rollbergquartier zu stabilisieren. Die Anfänge waren zäh, zunächst gab es neben dem Sozialprojekt "Mieter kochen für Mieter" ein Kulturprogramm. "Wir arbeiteten von Beginn an hart daran, mit den Familien im Kiez in Kontakt zu kommen", sagt Duhem. Mit der Zeit wurden immer mehr Probleme der Rollberg-Bewohner sichtbar, die zu knapp 40 Prozent nichtdeutscher Herkunft sind. "Bildung und Sprachniveau sind ein Riesenproblem", sagt Duhem. Weil viele Eltern Nachhilfe für ihre Kinder wollten, gründete sich 2007 das "Netzwerk Schülerhilfe Rollberg". Heute betreuen 100 Schülerhelfer insgesamt 111 Kinder.

Viele Studenten und junge Berufstätige bekleiden dieses Ehrenamt, so wie der 28-jährige Florin Winter. Seit zwei Jahren gibt er dem zwölfjährigen Ali einmal wöchentlich Nachhilfe: "Wir üben alles, was so anfällt in der Schule", erzählt Winter. Dank seiner Unterstützung hat Ali den Sprung aufs Gymnasium geschafft. "Er ist ein sehr positives Beispiel, ist pünktlich, hat stets seine Sachen dabei", erzählt Duhem. Bei der Mehrzahl der Schüler sei das seltener. "Wir müssen immer wieder hinter den Leuten her telefonieren und brauchen Nerven wie Drahtseile", so Duhem.

Ein weiterer ständiger Drahtseilakt ist die Finanzierung. Einnahmen kommen aus der Vermietung des Gemeinschaftshauses, aus Mitgliedsbeiträgen, Veranstaltungen und unregelmäßigen Spenden. Duhem: "Für die Zukunft wünschen wir uns Stabilität, die aber nur bestehen kann durch regelmäßigere Geldflüsse."


Sylvia Baumeister / SB
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