Kampagne soll auf medizinische Unterversorgung im Bezirk aufmerksam machen

Neukölln. Immer noch gibt es im Bezirk zu wenig niedergelassene Kassenärzte. Zwei Urologen haben daher mit Unterstützung von Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU) eine Kampagne initiiert.

Lange Wartezeiten und Ärzte, die ihre Sprechzeiten überziehen. Während es in "reicheren" Bezirken eine Überversorgung mit Fachärzten gibt, ächzt Neukölln unter einer gravierenden Unterversorgung. "Wir haben zu wenig Radiologen, Gynäkologen, Augenärzte, Pneumologen, Kinderärzte, Onkologen und Urologen", stellt Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU) fest. "Viele Ärzte sind am Rande der Leistungsfähigkeit". Um den Missstand zu beseitigen, müsste Berlin, das bisher als eine einzige Versorgungszone gilt, in der es im Prinzip keinen Mangel an niedergelassenen Ärzten gibt, wieder in kleinere Versorgungsgebiete unterteilt werden. Nur so könnten sich in unterversorgten Bezirken wieder Ärzte niederlassen. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) und die Krankenkassen lehnten dies bisher ab. In der Folge arbeiten in manchen Bezirken mehr Ärzte, als von der KV zugelassen sind, um die Versorgung der Patienten zu gewährleisten. "Das bedeutet für uns, dass längst nicht alle Krankenscheine abgerechnet werden können", erklärte der Neuköllner Urologe Dr. Frank Kahmann auf einer Podiumsdiskussion im Vivantes Klinikum Neukölln, zu der er mit seinem Kollegen Dr. Thomas Oliver eingeladen hatte. Auf der Veranstaltung mit Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU), KV-Vorstand Dr. Uwe Kraffel, der Patientenbeauftragten Karin Stötzner und Falko Liecke stellten die Urologen eine selbst finanzierte Kampagne vor. Auf Anzeigenmotiven, die unter anderem in Arztpraxen zu sehen sind, kommentieren Patienten unter dem Motto "Neukölln braucht mehr Kassenärzte" ihre Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem. Die Kampagne, die von Liecke und dem Netzwerk Gesundes Neukölln unterstützt wird, zeigt offenbar Wirkung: Kraffel räumte letztlich ein, "dass es in Neukölln in verschiedenen Bereichen einen konkreten Bedarf gibt." Ein Kompromiss wäre jetzt wünschenswert, denn laut Gesetzesvorgabe muss bis Ende Juni geklärt werden, auf welche Weise die kassenärztliche Unterversorgung in Teilen Berlins behoben wird.


Slyvia Baumeister / syri
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