Kiez-Zahnarzt geht nach 40 Jahren in den Ruhestand

Dr. Hinrich Hendricksen und seine Helferinnen Renate Renz (rechts) und Ayten Dagdeviren. (Foto: Sylvia Baumeister)

Neukölln. Zahnarzt Dr. Hinrich Hendricksen und seine Praxishelferinnen pflegten einen netten persönlichen Umgangston mit den Patienten und feierten gemeinsam Jubiläen. Nach 39 Jahren verabschiedete sich das Team, das zu einer Institution im Kiez wurde, von den Patienten - mit einem Fest.

Es ist Mittwochnachmittag, die Klingel in der Zahnarztpraxis schrillt häufig und immer mehr Menschen füllen die Räume in der Wildenbruchstraße 10. Sie wirken aber keineswegs verängstigt, wie so oft bei Zahnärzten. Im Gegenteil: Viele Gäste bringen Blumen mit, es wird viel erzählt und gelacht. Statt eines Bohrers hält Dr. Hinrich Hendricksen ein Glas Rotwein in der Hand und unterhält sich angeregt mit den langjährigen Patienten seiner Praxis, von denen sich manche hier mehr als 39 Jahre lang behandeln ließen. So wie Gisela und Günter Steinert. "Dr. Hendricksen und seine Helferinnen werden uns sehr fehlen, denn hier herrschte stets eine sehr persönliche und angenehme Atmosphäre", erzählt Günter Steinert. Alles andere wäre für den Zahnarzt, der die Praxis am 1. Januar 1974 eröffnete, auch gar nicht möglich gewesen. "Bei uns wurden die Patienten nicht schnell abgefertigt am Empfang", sagt Dr. Hendricksen. Er nahm sich viel Zeit für seine Patienten und auch seine beiden Helferinnen Renate Renz und Ayten Dagdeviren hatten immer ein nettes Wort übrig. "Meine Helferinnen kennen die Sorgen und Nöte der Menschen, die zu uns kamen, sehr gut", erzählt der 70-jährige Zahnarzt, der auch mal zu unorthodoxen Mitteln griff, um seinen Patienten die Angst zu nehmen: "Nachdem ich als 16-Jährige mal eine Spritze zur Betäubung bekommen hatte, nahm mich Dr. Hendricksen auf eine Runde mit auf sein Motorrad, bis die Spritze wirkte", erzählt die 52-jährige Gaby Radvan.

Beliebt und bekannt waren auch die Jubiläumspartys der Praxis. Erstmalig lud Dr. Hendricksen Angestellte und langjährige Patienten nach zehn Jahren zu einer Feier mit Wein, Bier, Sekt und Häppchen ein. Alle fünf Jahre gab es danach ein neues Fest. "Kann denn Bohren Sünde sein?" lautete eines der Mottos zur Einladung. Etwas weniger spaßig ging es aber bei der Feier zur Praxisschließung am 11. September zu: "Ich bin schon sehr traurig, denn ich hätte gern noch bis zur Rente hier weiter gearbeitet", sagt die 48-jährige Ayten Dagdeviren, die sich nun beruflich umorientiert. Für die 61-jährige Kollegin Renate Renz beginnt nun ebenfalls der Ruhestand.

Seinen Stammpatienten bleibt Dr. Hendricksen noch eine kleine Weile erhalten. Noch zweimal die Woche behandelt er sie in einer Praxis in der Nachbarschaft und gibt zu: "Endgültig kann ich mich noch nicht trennen."


Sylvia Baumeister / SB
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