Männergruppen des Vereins Aufbruch Neukölln werden ausgezeichnet

Gruppengründer Kazim Erdogan spricht in einer seiner interkulturellen Vätergruppen in Neukölln. (Foto: Aufbruch Neukölln e. V.)

Neukölln. Im Januar 2007 begann der Verein Aufbruch Neukölln mit einem Pilotprojekt für Männer mit türkischem Migrationshintergrund. Jetzt werden die "Interkulturellen Vätergruppen Neukölln" im Rahmen des Wettbewerbs "Ideen für die Bildungsrepublik" ausgezeichnet.

Es war im Jahr 2004, als Kazim Erdogan damit begann, dreisprachige Elternversammlungen in Kitas und Schulen anzubieten. Auch Eltern, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, sollten endlich die Möglichkeit haben, sich über die Bildung und Erziehung in diesen Einrichtungen ausreichend zu informieren. Dabei stellte der Psychologe fest: "Es kamen fast nur Mütter. Aber eine Erziehung ohne Vater ist eine Erziehung auf einem Bein, auf dem man nicht lange stehen kann." Weil es bis dahin keine Beratungsangebote für Männer mit Migrationshintergrund gab, gründete der Vorsitzende des Vereins Aufbruch Neukölln die Gruppe "Väter im Aufbruch". Türkische Männer erhalten hier Informationen zu Bildung, Erziehung und weiteren Themen des Alltags und haben Gelegenheit, sich in Gesprächen auszutauschen.

Schnell stellte Erdogan fest, dass viele Mitglieder seiner Gruppe gewaltige Probleme hatten, insbesondere nach einer Scheidung. "Viele türkische und arabische Männer ziehen sich aus Enttäuschung und Verzweiflung leider oft aus der Familie zurück", sagt der Psychologe. Nicht wenige glaubten, dass türkische Männer in dieser Gesellschaft benachteiligt würden. "Solch ein Mann ist meist eine tickende Zeitbombe", sagt Erdogan.

Damit sich das ändern kann, bräuchten diese den Austausch mit anderen Männern, die Ähnliches durchgemacht haben, so Erdogan weiter. "Nur, wer seine Probleme offen ausspricht, kann daran etwas ändern." Mittlerweile haben sich zwei Vätergruppen in Neukölln fest etabliert. Darüber hinaus initiierte Erdogan Vätergruppen in anderen Bezirken und Städten, darunter auch im österreichischen Bregenz.

Viele der Neuköllner Väter arbeiten inzwischen als Mulitplikatoren in Schulen, Kitas und anderen Einrichtungen. "Mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit sollen unsere Väter zu Vorbildern werden", sagt Erdogan. Andere Männer aus der Vätergruppe betreuen seit Mai vergangenen Jahres ehrenamtlich eine Hotline für Männer, die zu Gewaltausbrüchen neigen, Spielsüchtig sind oder andere Probleme haben. Aus ganz Deutschland suchen Männer hier mittlerweile Hilfe.

Nun haben die Neuköllner Vätergruppen einen weiteren Grund, stolz auf das Erreichte zu sein: Unter rund 1000 Bildungsprojekten wurden sie ausgewählt und gehören zu den 52 besten in ganz Deutschland. Sie werden am 2. September in den Räumen des Vereins in der Uthmannstraße 19 als Preisträger des Wettbewerbs "Ideen für die Bildungsrepublik" ausgezeichnet.

Weitere Informationen unter www.aufbruch-neukoelln.de.

Sylvia Baumeister / SB
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