Neuköllner leidet unter seltener Hereditäres Angioödem (HAE)

Gunnar Quiel-Rudawski entspannt sich gern mal bei einem Spaziergang im Schillerkiez. (Foto: Sylvia Baumeister)

Neukölln. Er lebt so, wie andere es auch tun, geht bisher noch jeden Tag als Krankenpflege-Stationsleiter in einem Krankenhaus arbeiten. Wie man mit einer lebensbedrohlichen Krankheit leben kann, zeigt die Geschichte von Gunnar Quiel-Rudawski, der im Schillerkiez lebt.

Auf den ersten Blick sieht man dem 62-jährigen Gunnar Quiel-Rudawski seine schwere Krankheit überhaupt nicht an. Dennoch leidet der Krankenpfleger, der eine Psychiatrie-Station in einem Tempelhofer Krankenhaus leitet, seit seiner Jugendzeit an einer schweren Krankheit. Hereditäres Angioödem (HAE) wird sie genannt. "Zum ersten Mal bemerkte ich die Krankheit mit 16 Jahren, als mir nach einem Fahrradsturz plötzlich Körperteile anschwollen", erinnert er sich. Seitdem kehrten ähnliche Symptome immer wieder auf, zuerst in unregelmäßigen Abständen. Zwei Jahre später erlebte er erstmals eine lebensbedrohliche Situation, als ihm der Hals derart zuschwoll, dass er kaum noch Luft bekam.

Im Erwachsenenalter kamen die Anfälle immer häufiger. Dabei schwellen Hände, Arme und Beine bis auf das Dreifache an, auch die Organe und das Gehirn. Begleitend kommen oft Schmerzen und Übelkeit hinzu. Helfen konnte dem Neuköllner damals niemand, die Krankheit konnte nur schwer diagnostiziert werden. "Meist wurden meine Symptome für allergische Reaktionen gehalten und mit Cortison behandelt", erzählt Gunnar Quiel-Rudawski.

Wegen seiner krankheitsbedingten Fehlzeiten verlor der Schaufensterdekorateur mehrere Jobs nacheinander. Der Familienvater von zwei Kindern steckte aber den Kopf nicht in den Sand, machte eine zweite Ausbildung als Krankenpfleger. "Meinen Mut habe ich nie verloren, obwohl die Krankheit mein Leben sehr beeinflusst hat", bekennt der Neuköllner.

Erst 1981 wurde endlich die richtige Diagnose gestellt. Regelmäßig muss sich der Patient seither selbst ein körpereigenes Bluteiweiß-Medikament spritzen. Wie das geht, zeigten ihm andere Betroffene in einer Selbsthilfegruppe. Im Job war das Spritzen dann unproblematisch, wie auch die Lagerung der Medikamente. "Seitdem hat sich meine Lebensqualität entscheidend verbessert", sagt Gunnar Quiel-Rudawski, der heute anderen Betroffenen hilft, mit der Krankheit zurecht zu kommen und an Studien der Charité teilnimmt.

Seit zwei Jahren spritzt er sich das Medikament präventiv und fühlt sich besser, als je zuvor. Jetzt freut sich der Neuköllner, der zu 50 Prozent schwerbehindert ist, auf seinen Ruhestand ab Oktober. Sein Wunsch für die Zukunft: "Ich hoffe, das ich meine Krankheit weiter so in Schach halten kann."

Hilfe finden Betroffene unter www.angiooedem.net.


Sylvia Baumeister / SB
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