Ramon Schack hat ein Buch über den Bezirk geschrieben

Der Autor Ramon Schack würde gern öffentlich mit Bürgermeister Heinz Buschkowsky über die Bücher beider Neukölln-Autoren diskutieren. (Foto: Sylvia Baumeister)

Neukölln. Trotz des provokanten Titels "Neukölln ist nirgendwo - Nachrichten aus Buschkowskys Bezirk" versteht Roman Schack sein Werk nicht als Gegenthese zu Heinz Buschkowskys (SPD) Buch "Neukölln ist überall", sondern als Ergänzung. Der Journalist würde sich gern öffentlich mit dem Bürgermeister austauschen.

Seit drei Jahren lebt Ramon Schack in der Hermannstraße. Tagtäglich erlebt er hier die Menschen um sich herum: Gemüsehändler, Dönerverkäufer, Hipster, Studenten, Proleten, Salafisten und Hartz-IV-Empfänger. "Hier haben viele Veränderungen in den vergangenen Jahren stattgefunden, die durchaus positiv zu sehen sind. Es herrscht eine gewisse Dynamik und eine Aufbruchstimmung", findet der 42-jährige Diplom-Politologe, Journalist und Publizist. Das, so gibt er zu, war ganz anders, als er vor zehn Jahren zum ersten Mal den Bezirk als frisch aus Schleswig-Holstein Zugezogener kennenlernte. "Der Schillerkiez wirkte damals verlassen, die Menschen deprimiert, allein gelassen und abgehängt. Eine Spannung und Aggressivität war hier deutlich spürbar", erinnert er sich.Dieses Bild, so meint der Autor, habe sich sehr verändert. Diesem Umstand trage Heinz Buschkowskys Buch "Neukölln ist überall" aber nicht Rechnung. Die Sicht des Bürgermeisters auf den Bezirk sei "zu festgefahren" und "zu eindimensional". Buschkowsky habe die neuesten Entwicklungen "nicht genügend zur Kenntnis genommen" und "pauschalisiere" zu sehr, auch zum Thema Religion. "Eine Demokratie kommt durchaus auch mit streng religiösen Menschen zurecht, sie stellen keine Gefahr dar", sagt Schack. Dennoch betont der Autor, er habe keine Gegenthese zu Buschkowskys Buch aufstellen wollen, sondern lediglich eine kritische Ergänzung. "Mein Motivation war eigentlich der Ärger darüber, dass Neukölln ständig im Mittelpunkt medialer Debatten steht", so Schack.

In kleinen Alltagsgeschichten schildert der Journalist ganz unterschiedliche Sichtweisen des Bezirks. Es sind nicht die großen Probleme, wie Kriminalität, Hartz-IV-Mentalität und Schulabbrecher. Es sind Geschichten von Nachbarn, vom Salafisten - über den Austauschstudenten bis hin zur Hure. Auch Skurriles hat hier seinen Platz, wie die Geschichte einer polnischen Putzfrau, die per Zettel ihre Kündigung vorfindet, weil sie keine umweltfreundlichen Putzmittel verwendet hat: Aus "umweltschonenden" Gründen wurde ihr nahegelegt, sich den nächsten Job zu Hause in Polen zu suchen.

Auch das ist eben Neukölln, das "sich zu einem der aufregendsten Bezirke der Republik entwickelt hat", wie Schack meint. Buschkowsky würde ihm da wahrscheinlich gar nicht mal widersprechen. Schack würde es auf einen Versuch ankommen lassen: "Gern würde ich eine Diskussion mit ihm in einem öffentlichen Rahmen führen", sagt er. "Das wird sicher ein interessantes Gespräch."

Das Buch "Neukölln ist nirgendwo - Nachrichten aus Buschkowskys Bezirk" ist erschienen im Verlag 3.0 mit der ISBN 978-3-944343-74-7.

Sylvia Baumeister / SB
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