Weiterbau der A100: Polizeieinsatz bei Zwangsräumung

Neukölln. "Alle vier sind frei und wohlauf", sagte Robin-Wood-Sprecherin Ute Bertrand am Ende eines für sie aufreibenden Tages. Aktivisten hatten am 3. Februar versucht zu verhindern, dass für den Weiterbau der A100 eine Pappel gefällt wird. Allerdings vergeblich.

Aktivisten der Umweltschutzorganisation Robin Wood haben am 3. Februar gemeinsam mit Vertretern des Bündnisses "A100 stoppen" die Räumung eines Grundstücks in Neukölln verzögert. Die letzten vier Protestierer holte die Polizei gegen 17.30 Uhr aus Bäumen und vom Dach einer Lagerhalle.

Einige Gegner der Verlängerung der Berliner Stadtautobahn A100 weigerten sich, von einer Pappel zu lassen. Sie hielten den Baum auf dem Grundstück an der Neuköllnischen Allee 33 seit Anfang Januar besetzt. Die Polizei war mit rund 100 Beamten angerückt, um das Gelände zu räumen. Die Aktion begann gegen 13 Uhr.

Zuvor hatte ein Beauftragter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt dem anwesenden Eigentümer des Areals die Enteignung seines Besitzes mitgeteilt und die Baumfällung angeordnet.

Der Kreuzberger Unternehmer José da Silva war mit Beschwerden gegen seine Enteignung sowohl beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg als auch beim Bundesverfassungsgericht gescheitert.

Der Weiterbau der A100 sei nur mit Zwangsmitteln gegen die Anwohnerinnen und Anwohner durchsetzbar, sagte ein Robin-Wood-Aktivist. Man werde weiterhin Widerstand leisten. Für die Gegner des Autobahnbaus ist das Vorhaben "verkehrspolitisch unsinnig und überteuert". Laut Robin Wood ist mehr als die Hälfte der Berliner Haushalte ohne Auto mobil. Und ihre Zahl steige. Außerdem müssten allein für diesen 475 Millionen Euro teuren, 3,2 Kilometer langen 16. Teilabschnitt von Neukölln bis zum Treptower Park Wohnhäuser mit hunderten Wohnungen, 300 Kleingärten und mehrere hundert Bäume weichen. "Anwohner werden aus ihrem Kiez verdrängt, preiswerter Wohnraum wird vernichtet", so die Aktivisten.

Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, Harald Moritz, hatte noch am Tag der Enteignung und Zwangsräumung den Senat aufgefordert, "das umweltpolitisch kontraproduktive Prestigeprojekt A100" zu stoppen. Ebenfalls vergebens.

Um 18 Uhr fiel die Pappel samt Baumhaus. Um das Gelände wurden Zäune errichtet.


Karen Noetzel / KEN
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