Ärztemangel hat böse Folgen

In Neukölln sterben doppelt so viele Kinder vor ihrem ersten Geburtstag wie im Berliner Durchschnitt. Außerdem steigt die Zahl der Totgeburten und der Fälle, in denen die Babys nur wenige Tage leben. Eine Ursache könnte der Ärztemangel sein, meint Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU).

Rund 3500 Kinder kommen pro Jahr im Bezirk zur Welt, etwa 20 sterben im ersten Lebensjahr. Auch die Zahl der Totgeburten – in Deutschland sind es im Schnitt 2,4 Fälle pro 1000 Entbindungen - liegt hier erheblich höher. Damit ist Neukölln nicht nur in Berlin der traurige Spitzenreiter, sondern auch bundesweit. „Vor allem Frauen aus sozial benachteiligten Familien oder mit Migrationshintergrund, denen die Orientierung im deutschen Gesundheitssystem schwerfällt, gehen seltener und später zu Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft“, so Liecke.

Aber diese Tatsache allein reiche als Erklärung für die alarmierenden Zahlen nicht aus. „Der Bezirk Mitte hat eine ähnliche Bevölkerungsstruktur, aber eine sehr viel niedrigere Kindersterblichkeit“, sagt Falko Liecke. Deshalb ist er davon überzeugt, dass der massive Fachärzte-Mangel seinen Teil zu der Misere beiträgt.

Bezogen auf die Einwohnerzahl weist Neukölln die geringste Zahl an Frauenärzten auf und liegt fast 50 Prozent unter dem Berliner Durchschnitt. Und genau diese Mediziner sind es, die in der Schwangerenvorsorge und Geburtshilfe arbeiten. Auch in der Versorgung mit Kinderärzten ist Neukölln das Schlusslicht unter den Bezirken und liegt rund 20 Prozent unter dem Durchschnitt.

Eine Studie, die Neukölln im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem ebenso unterversorgten Bezirk Lichtenberg in Auftrag gegeben hatte, belegt den eklatanten Ärztemangel. Falko Liecke und seine Lichtenberger Amtskollegin Katrin Framke haben deshalb die Kassenärztliche Vereinigung (KV) wiederholt zum Handeln aufgefordert.

Denn die erlaubt nur eine bestimmte Zahl von niedergelassenen Ärzten und fasst ganz Berlin als eine Planungsregion zusammen. Die Mediziner können sich also den Standort ihrer Praxen selbst aussuchen und unbeliebte Gegenden meiden. Die beiden Stadträte halten eine kleinräumigere Steuerung, die die Situation in den einzelnen Bezirken berücksichtigt, für unabdingbar.
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