Bei Notfällen sind sie zur Stelle: Auf dem Campus Rütli sind die ersten Schulsanitäter ausgebildet worden

Fit für den Sani-Dienst: Aya, Rana (vorne v.l.n.r.), Sarah, Daniel und Benjamin. Ihre "Kolleginnen" Esra, Amne und Revsen waren leider am Tag der Ehrung krank. (Foto: Schilp)
Berlin: Gemeinschaftsschule Campus Rütli |

Neukölln. „Wir sind sehr, sehr stolz auf euch“, sagte Detlef Kühn, stellvertretender Landesvorsitzender des Arbeiter-Samariter-Bundes. Der Anlass für sein Lob: Am 20. Januar erhielten acht Jugendliche des Rütli-Campus ihre Urkunden, die sie als Schulsanitäter ausweisen.

Sechs Mädchen und zwei Jungen, die 15 und 16 Jahre alt sind, haben in den vergangenen Monaten viel geleistet. Rund vier Monate lang lernten sie jeden Donnerstag alles über Erste Hilfe. Sie absolvierten zwei Wochenend-Workshops, büffelten Theorie und übten sich in der Praxis. „Acht traten zur Prüfung an, und acht haben bestanden“, freute sich Schulleiterin Cordula Heckmann.

„Ich wollte sofort mitmachen“, sagt die 16-jährige Rana, „schließlich hat man nicht jeden Tag Gelegenheit, Erste Hilfe zu lernen.“ Ihre Mitstreiterin Aya stimmt zu. „Es ist auch sehr interessant zu erfahren, wie der eigene Körper funktioniert.“ Die 15-Jährige, die erst vor dreieinhalb Jahren aus Ägypten nach Berlin gekommen ist, fühlt sich nach dem Kurs in ihrem Vorhaben bestärkt, Medizin zu studieren.

Ihre erste Feuertaufe hat sie bereits hinter sich. Vor wenigen Wochen beobachtete sie, wie ein junger Mann in einem Friseursalon umkippte. Sie reanimierte ihn durch eine Herzdruckmassage. „Ich alleine in einem Geschäft voller arabischer Männer, das war schon komisch, aber ich musste doch helfen“, sagt sie. Wahrscheinlich habe sie dem Bewusstlosen das Leben gerettet, teilte ihr der herbeigerufene Arzt später mit. „Drohender Herzstillstand, zu viele Drogen“, erzählt Aya.

Die acht Schulsanitäter sind künftig die ersten, die bei Notfällen auf dem Rütli-Campus zur Stelle sein werden. Sie wissen, was bei Verletzungen, Vergiftungen oder Schwindelanfällen zu tun ist und informieren, falls es nötig ist, den Rettungsdienst. Ihnen wird einiges abverlangt. „Neben dem nötigen fachlichen Wissen sind Teamgeist, Einfühlungsvermögen und Selbstbewusstsein gefragt“, so Kühn.

Es gibt feste Einsatzpläne, jeweils zwei Sanitäter haben Dienst und sind mit Handys ausgestattet, die auch während des Unterrichts eingeschaltet sind. Ein drittes Mobiltelefon hat die Schulsekretärin. Bei ihr gehen die Notrufe von Schülern und Lehrern ein. Sie verständigt dann die Helfer, die bei ihr die Schulsanitätsrucksäcke abholen – ausgestattet mit Wärmedecke, Stethoskop, Blutdruckmesser, Verbänden, Pflastern, sterilen Handschuhen und anderen Gerätschaften. Dann kann der Einsatz losgehen.

Der Berliner Arbeiter-Samariter-Bund hat zum ersten Mal an einer Schule Sanitäter ausgebildet; es soll nicht das letzte Mal sein. Der Kontakt zum Rütli-Campus mit seinen 850 Kindern und Jugendlichen besteht aber schon länger. „Wir waren zum Beispiel bereits mit unseren Rettungshunden hier und konnten vielen Schülern die Angst vor den Tieren nehmen“, erinnert sich Detlef Kühn.

Der Sanitäterdienst am Campus Rütli scheint eine sichere Zukunft zu haben. „Sieben weitere Schüler wollen bald die Prüfung machen, und 35 stehen bereits auf der Warteliste“, sagt Schulleiterin Cordula Heckmann. sus
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