Gräber mit Blick nach Mekka: muslimische Bestattungen auf dem Lilienthalfriedhof

Muslimische Gräber auf dem Friedhof am Columbiadamm. (Foto: sus)
 
An vielen Gräbern stehen Stühle, auf denen sich Angehörigen niederlassen. Foto: sus (Foto: sus)

Neukölln. Auf dem Lilienthalfriedhof sollen sich künftig Muslime mit Blick nach Mekka beerdigen lassen können. Ein Bezirksamtsbeschluss dazu sei in Vorbereitung, teilt Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) mit.

„Jeder der in Neukölln lebt, soll sich auch hier bestatten lassen können – mit der Möglichkeit, dass die Familie dem Verstorbenen gedenken kann“, sagt Giffey. Es sei ein gutes Zeichen für Integration, dass sich immer mehr Menschen mit ausländischen Wurzeln für ein Begräbnis in Deutschland entschieden, statt sich in der alten Heimat oder der Heimat der Vorfahren beisetzen zu lassen.

Auf dem Lilienthalfriedhof in der Nähe des Südsterns sollen acht Felder für bis zu 1600 Bestattungen zur Verfügung gestellt werden. Dafür ist eine Änderung des Friedhofsentwicklungsplans nötig, denn eigentlich waren hier keine Begräbnisse mehr vorgesehen. Eine Inbetriebnahme sei wahrscheinlich im kommenden Jahr möglich, erklärte die Bürgermeisterin. Planungen für neue muslimische Beerdigungsflächen im Bezirk gibt es schon seit einigen Jahren.

Ursprünglich war vorgesehen, den kommunalen Friedhof am Columbiadamm zu erweitern. Mitte der 70er-Jahre sind hier die ersten nach Mekka ausgerichteten Gräber geschaffen worden, die schräg zum ursprünglichen Raster des alten Garnisonsfriedhofs liegen. Im Jahr 1991 waren vorerst alle Kapazitäten ausgeschöpft.

Erst 2004 wurden durch Ablauf von Nutzungsrechten weitere Bestattungen möglich. Die Nachfrage war groß, Ende 2012 waren alle Grabstätten bereits vergeben. Die geplante Vergrößerung in Richtung Tempelhofer Feld zerschlug sich nach dem Volksentscheid, der eine Bebauung untersagte.

Muslimische Beisetzungen waren nun nur noch auf dem Landschaftsfriedhof Gatow möglich, erst in den vergangenen beiden Jahren kamen einige Begräbnisfelder in Ruhleben und Schöneberg dazu.

Doch weil in Neukölln 60 000 Islam-Gläubige leben, die den verständlichen Wunsch nach einem wohnortnahen Bestattungsort haben, verhandelte das Bezirksamt mit der evangelischen Kirche. Der Plan war, ihr den St. Jacobi-Friedhof – er liegt an der Hermannstraße zwischen Warthe- und Emser Straße – abzukaufen. Doch das war zu teuer. Außerdem wäre diese Variante erst 2020 zum Tragen gekommen, so Giffey.

Jetzt scheint eine Lösung gefunden. „Auf dem Lilienthalfriedhof schaffen wir unkompliziert und zeitnah neue Grabflächen, die den Bedarf erstmal decken“, sagt die Bürgermeisterin. Insgesamt werden auf den acht landeseigenen, durch den Bezirk verwalteten Friedhöfen jährlich rund 1000 Personen beigesetzt, darunter auch viele Muslime.

„Denn nicht alle wünschen sich eine traditionelle Beisetzung, bei der das Grab gen Mekka ausgerichtet sein muss. Sie entscheiden sich für das bestehende Angebot auf unseren Friedhöfen, das Menschen aller Religionen offensteht“, so Giffey.

Grundsätzlich besteht in Berlin übrigens kein Mangel an Bestattungsflächen. Im Gegenteil. Der Bedarf ist seit 1980 um die Hälfte zurückgegangen. Die Gründe: Die Menschen leben länger, viele entscheiden sich für anonyme Gemeinschafts- oder Urnengräber.

Weil die Unterhaltung der Flächen aber viel Geld kostet und Grund und Boden wertvoll ist, sind in den vergangenen Jahren etliche Friedhofsareale entwidmet worden.

Nach einer 20-jährigen Ruhezeit der zuletzt hier Bestatteten und einer „Pietätsfrist“ von weiteren zehn Jahren dürfen die Flächen anders genutzt werden – als öffentliche Grünanlagen wie beispielsweise der neue Anita-Berber-Park an der Hermannstraße oder auch für Wohnungsbau. sus
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