Im Bezirk Neukölln gibt es die meisten Kranken

Neukölln. Weit über 500 Masernfälle wurden seit Jahrsbeginn in Berlin registriert - die meisten davon in Neukölln. Genau 105 Erkrankte wurden bereits im Bezirk gezählt, teilt Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU) mit.

Besonders betroffen von der hoch ansteckenden Infektionskrankheit sind Kinder, 13 von ihnen sind unter einem Jahr alt. Erste Maßnahmen in den Schulen seien getroffen worden, so Liecke. So würden alle Kinder in den Willkommensklassen - hier lernen Kinder, die aus anderen Ländern kommen und noch kein Deutsch sprechen - gegen die wichtigsten Krankheiten geimpft. "Dazu muss jedoch immer die Genehmigung der Eltern eingeholt werden", sagt Liecke. Das mache das Verfahren sehr kompliziert.

Man habe festgestellt, dass 74 Prozent dieser Kinder keine zweite Impfung gegen Masern bekommen haben. Nach Möglichkeit würden die Eltern gleich mitgeimpft. "Auch die Asylbewerberheime werden versorgt", betont der Stadtrat.

Er bedauert, dass die Schülerinnen und Schüler der Oberschulen einer Impfung eher ablehnend gegenüberstünden. "Für viele Menschen haben die Kinderkrankheiten ihren Schrecken verloren", so Liecke. Ein Pilotprojekt an den Oberschulen soll jetzt gestartet werden, das sowohl Aufklärung als auch Impfung vorsieht.

Folgeschäden möglich

In Neukölln seien die Masernfälle gleichmäßig über den Bezirk verteilt. "Ich plädiere für eine Impfpflicht", betonte Liecke und warnte eindringlich vor den Folgeschäden wie Lungen- und Hirnentzündungen. Den Menschen müsse sehr deutlich gemacht werden, dass Impfungen Leben retten könnten.

Besonders erschreckend sei, dass die Krankheit durch normale Kontakte im Treppenhaus übertragen werden kann. Der Stadtrat berichtete von einem Beispiel: In einem Wohnhaus hatten sich vier Kinder angesteckt, obwohl sie keinen direkten Kontakt miteinander hatten.

Auch die Neuköllner Bildungsstadträtin Franziska Giffey (SPD) setzt sich für Impfungen ein. Sie hält es für unverantwortlich, wenn Eltern ihre Kinder nicht ausreichend schützen. Sie brächten ihre eigene und andere Familien in Gefahr.


Klaus Tessmann / KT
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