Kita-Erzieher gesucht: Jugendstadtrat wirbt mit einmaliger Zulage

Neukölln. Der Bezirk sucht händeringend Erzieherinnen und Erzieher. Nun bietet Neukölln einen finanziellen Anreiz: Eine Einmalzahlung von 1000 Euro winkt Fachkräften, die sich für eine unbefristete Stelle in einem bezirklichen Kindergarten entscheiden.

Bis Anfang des Jahres konnte Neukölln alle Familien versorgen. Doch das hat sich geändert: Nicht nur Kitagebäude sind knapp, sondern es fehlt vor allem an Personal. Inzwischen sind deshalb gut 50 Mädchen und Jungen leer ausgegangen. Dazu kommen die 550 „Rückstellerkinder“, die noch nicht eingeschult werden und ihren Platz nicht für Nachrücker räumen. Schließlich gibt es da noch die Flüchtlingskinder und die etwa 80 aus bulgarischen und rumänischen Roma-Familien, die zwar keine Sozialleistungen erhalten, aber ebenfalls ein Recht auf einen Kitaplatz haben. „Wir wollen auch unbedingt, dass sie eine Einrichtung besuchen, denn viele werden bleiben und wir müssen die Kinder versorgen“, so Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU). Speziell für diese Gruppe gibt es Geld aus dem „Europäischen Hilfsfonds für die am stärksten benachteiligten Personen“ (Ehap).

„Ich habe eine Mitarbeiterin, die den ganzen Tag nichts anderes tut, als alle Kitas nach freien Plätzen zu durchforsten“, sagt der Stadtrat. Und er ist in einer echten Zwickmühle: Einerseits wirbt er dafür, dass mehr kleine Neuköllner in die Kita gehen. Momentan sind es bei den ein- bis zweijährigen Kindern gerade einmal 58 Prozent. Auf der anderen Seite käme er in „echte Schwulitäten“, wenn jede Familie mit einem Rechtsanspruch – und der besteht für Kinder ab dem 2. Lebensjahr – diesen auch wahrnehmen würde. Allein in Neukölln und im Nachbarbezirk Treptow-Köpenick könnten jedoch bis zu 800 neue Plätze geschaffen werden, wenn es genug Personal gäbe. Die 1000-Euro-Prämie sei ernst gemeint, aber auch ein „Vehikel, damit man mir endlich zuhört“. Das hat Liecke geschafft – allerdings reagierte man auf Senatsebene eher empfindlich und äußerte Bedenken, ob eine solche Zulage rechtens sei. Der Stadtrat ist davon überzeugt.

Und er wiederholt seine Grundforderung: „Die Erzieher müssen besser bezahlt werden. Das ist viel wichtiger, als Kitas gebührenfrei zu machen. Das nämlich wäre ein Geschenk an den Mittelstand. Menschen mit Hartz IV zahlen ja schon heute nichts.“ sus
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