Neu: Einrichtungen betreuen Demenzkranke, die hilflos aufgegriffen werden

Sozialstadtrat Bernd Szczepanski übergab am 11. Mai im Rathaus ein Amtshilfeersuchen des Bezirks an den Leiter der Polizeidirektion 5, Stefan Weis. (Foto: Sylvia Baumeister)

Neukölln. Werden demenzkranke Menschen hilflos auf der Straße aufgegriffen, ist die Polizei mit der Frage der Unterbringung meist überfordert. Das ändert sich ab sofort: Es gibt nun "Schutzräume".

Rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland sind an Demenz erkrankt, bis 2050 wird sich ihre Zahl verdoppeln. Die betroffenen Menschen leiden unter dem Verlust ihrer geistigen Leistungsfähigkeit; Gedächtnis und Merkfähigkeit sind gestört. Viele sind orientierungslos, verwirrt oder hilflos.

Greift die Polizei einen Demenzkranken auf, kann dieser oft weder seinen Namen noch seine Adresse nennen. Die Beamten stehen dann vor der Frage, wo sie die hilflose Person unterbringen können, bis Identität und Wohnsitz geklärt sind. "Diese Fälle kamen zwar noch nicht sehr häufig vor, aber es war an der Zeit, eine Initiative zu starten", erklärt Sozialstadtrat Bernd Szczepanski (Grüne).

Ein Jahr lang arbeitete er mit der Behindertenbeauftragten Katharina Smaldino eine Kooperationsvereinbarung aus, an der drei Einrichtungen im Bezirk beteiligt sind. Diese stellen sogenannte Schutzräume zur Verfügung, wo Demenzkranke nach ihrem Aufgreifen von Fachpersonal betreut werden können. In mehreren Bezirken wird dies bereits erfolgreich praktiziert. Anlaufstellen in Neukölln sind nun das "Casa Reha" in Rudow, das "Haus Rixdorf" des Seniorenheims am Lietzensee in der Delbrückstraße und im Norden das Seniorenheim St. Richard in der Schudomastraße. Bis zu drei Tagen kann eine Person hier auf freiwilliger Basis und kostenfrei bleiben. Ist danach immer noch nicht die Identität des demenzkranken Gastes geklärt, übernimmt der Bezirk die weiteren Kosten.

Weiterer Partner ist die Polizeidirektion 5, zuständig für Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg. An den Direktionsleiter Stefan Weis, übergab Bernd Szczepanski am 11. Mai im Rathaus ein Amtshilfeersuchen. Mit diesem hat die Polizei nun eine Handhabe, um tätig werden zu können. Treffen Beamte auf eine hilflose Person, fragen sie bei der nächstgelegenen Kooperationseinrichtung nach, ob ein Platz frei ist. Stefan Weis: "Wir müssen die Schutzräume bekannt machen, damit unsere Kollegen die Anlaufstellen in Neukölln bald kennen."


Sylvia Baumeister / SB
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