Neu: Online-Beratung gegen Spielsucht in sechs Sprachen

Kazim Erdogan (Mitte) und seine fünf Mitarbeiter, die ab 5. Januar unter Aufbruch-Spielsucht.de eine anonyme Beratung anbieten. (Foto: Sylvia Baumeister)

Neukölln. Rund 50.000 Berliner gelten als spielsüchtig. Gefährdet sind vor allem junge Männer mit ausländischen Wurzeln. Weil es für diese Gruppe bisher kaum Beratungsangebote gibt, richtet der Verein "Aufbruch Neukölln" ab Januar eine anonyme Online-Beratung ein.

Bevorzugt siedeln sich Spielhallen und Wettbüros in sozial schwachen Gebieten an. So gibt es im Neuköllner Süden derzeit etwa zehn konzessionierte Betriebe, während sich weitere 40 im Norden konzentrieren.

Etliche treibt die Zockerei in den finanziellen Ruin und ins soziale Abseits. Ein deutlich erhöhtes Risiko besteht für junge Männer, Arbeitslose und Migranten. "Etwa 50 Prozent aller Süchtigen haben einen Migrationshintergrund, aber aus Scham outet sich kaum einer", weiß Kazim Erdogan, Psychologe und Vorsitzender des Vereins Aufbruch Neukölln.

Zuwanderer, die wenig Deutsch sprechen, hätten die größten Hemmungen, sich Hilfe zu holen. Bisher gebe es für sie aber auch kaum Beratungen. "Wir brauchen ein Online-Angebot in mehreren Sprachen", so Erdogan.

Ab 5. Januar ist es unter Aufbruch-Spielsucht.de zu erreichen. In Live-Chats stehen sechs Ansprechpartner zur Verfügung; sie sprechen deutsch, türkisch, arabisch, kurdisch, russisch und englisch. Sie geben Informationen über Krankheitsbild und Beratungsstellen oder moderieren bei Bedarf ein offenes Forum. Sie hören zu, beruhigen in kritischen Situationen und erklären, welche Therapien es gibt.

In weiteren Schritten vermitteln sie Hilfesuchende an Therapeuten, Selbsthilfegruppen und Schuldnerberater. "Unsere Online-Beratung will mit bestehenden Einrichtungen kooperieren", sagt Erdogan. Vom Abgeordneten Daniel Buchholz, der das neue Berliner Spielhallengesetz von 2011 im Abgeordnetenhaus maßgeblich vorangebracht hat, fordert er, die Einnahmen aus der Vergnügungssteuererhöhung in die Aufklärung zu stecken.

Dieser verweist auf ein neues Angebot der Fachstelle für Suchtprävention. Unter dem Titel "Gamer Over" bietet sie kostenlos in Schulen zwei- bis dreistündige Unterrichtsstunden an.

Mehr Infos unter 29 35 26 15 oder info@berlin-suchtpraevention.de

Sylvia Baumeister / SB
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