Trotz finanzieller Förderung: Kita-Kinder sprechen schlecht Deutsch

Neukölln. Jedes vierte Neuköllner Kitakind spricht schlecht Deutsch - berlinweit ist es nur jedes sechste Kind. Abhilfe tut not. Doch im Bezirk fehlen Kindergärten, die auf Sprachförderung spezialisiert sind.

Der Neuköllner SPD-Abgeordnete Joschka Langenbrinck hatte bei der Senatsverwaltung nachgefragt, wie sich der Förderbedarf der Kinder entwickelt habe. Die Antwort: Berlinweit sei er seit 2009 "weitgehend stabil" geblieben. Schwankungen gebe es, weil sich die Zusammensetzung der Kinder in jedem Jahrgang verändere. Schlusslicht in Sachen Sprache sei aber wiederum Neukölln, wo 25,8 Prozent der Kitakinder nicht ausreichende Deutschkenntnisse haben.

"Es muss geklärt werden, warum das so ist, obwohl seit 2009 rund 375 Millionen zusätzlich in die Kitas geflossen sind", so Langenbrinck. "Fest steht: Je länger ein Kind eine Kita besucht, desto besser ist seine sprachliche, soziale und motorische Entwicklung." Zwar sei der Sprachförderbedarf in Neukölln seit 2009 um drei Prozent gesunken ist, aber "das ist nur ein kleiner Hoffnungsschimmer, aber mehr auch nicht."

Ähnlich sieht es der Neuköllner Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU). "Der Knackpunkt ist, dass wir nicht genügend Plätze in den Kitas haben, die auf Sprachförderung spezialisiert sind."

25 Stunden sind Pflicht

Kinder, die einen Förderbedarf haben, müssen laut Gesetz mindestens 25 Stunden in der Woche eine Kita besuchen. Weigern sich die Eltern oder erscheinen sie nicht zum Sprachtest, können Bußgelder in Höhe von bis zu 2500 Euro verhängt werden.

Vor allem im Norden des Bezirks - dort, wo der Bedarf am größten ist - gibt es aber zu wenig Räume und geschulte Erzieher. "Wir rechnen momentan mit etwa 450 Mädchen und Jungen, die eine Förderung brauchen, aber keinen Platz in einer Kita haben", sagt Falko Liecke.

Bei festgestelltem Sprachförderbedarf vergibt der Bezirk automatisch Kita-Gutscheine und hilft bei der Suche nach einem Platz. Zudem ist die Abteilung Jugend derzeit dabei, in Kooperation mit verschiedenen Trägern weitere Kitaplätze zu schaffen, unter anderem in der High-Deck-Siedlung. Liecke: "Wir strecken uns, um unsere Ziele zu erreichen."


Sylvia Baumeister / SB
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