Meisterschaften im G-Judo waren ein Erfolg

Rund 130 geistig behinderte Judoka - unter ihnen Hans-Jürgen Zander (blau) und Steven Lackner - trafen sich zu Meisterschaften im G-Judo. (Foto: Nittel)
 
Rund 130 geistig behinderte Judoka - unter ihnen Annika Fricke (blau) und Jenny Schmorbach - trafen sich zu Meisterschaften im G-Judo in Neukölln. (Foto: Nittel)

Neukölln. Rund 130 geistig behinderte Judoka aus elf Bundesländern, aus den Niederlanden und Österreich trafen sich am 5. April zu den Internationalen Deutschen Meisterschaften im G-Judo. In diversen Gewichts- und Wettkampfklassen ermittelten sie in der Jahn-Sporthalle am Columbiadamm die Sieger.

Am Ende waren es die Berliner, die kräftig abräumten: Mit vier Gold-, drei Silber- und zwei Bronzemedaillen war der Budo Club Ken Shiki nicht nur der erfolgreichste aller teilnehmenden Vereine, er machte Berlin auch zum stärksten Landesverband.

Viele Zuschauer, die noch nie einen Wettkampf im G-Judo - das G steht übrigens für gehandicapt - gesehen hatten, rieben sich verwundert die Augen: "Man sieht hier streckenweise überhaupt nicht, dass es sich um geistig behinderte Athleten handelt: Viele Kämpfe sind wirklich klasse und sehr spannend", sagte eine Besucherin.

Doch für geistig behinderte Sportler war und ist längst nicht alles Gold was glänzt: "Bis zu unserer Vereinsgründung vor mittlerweile sechs Jahren waren die Verbände, die es immerhin seit rund 60 Jahren gibt, nicht in der Lage, eine Meisterschaft im G-Judo in Berlin zu veranstalten", sagt Hamdy Mohamed, Vorsitzender und Gründer vom Budo Club Ken Shiki. Dabei haben es andere Landesverbände vorgemacht: In Niedersachsen gibt es diese Wettkämpfe seit mehr als 18 Jahren, in Nordrhein-Westfalen seit 20 Jahren.

"Wir wollten diese Meisterschaften unbedingt. Aber es war ein totaler Kraftakt, sie auf die Beine zu stellen." Unterstützt wurde Mohamed von der Behindertenbeauftragten des Bezirks Katharina Smaldino. "Sie hat sich auf unglaubliche Weise für uns eingesetzt und ist sich nicht zu schade, einen Tag vorm Wettkampf mit uns die Matten in der Halle anzuordnen."

Geistig behinderte Menschen hätten auch und ganz besonders im Sport keine Lobby, sagt Mohamed. Schon die Gründung des Budo Club Ken Shiki im Jahr 2009 resultierte aus einer negativen Erfahrung: "Ich hatte damals versucht, eine Gruppe von geistig behinderten Sportlern in einen Judoverein zu integrieren. Das hat nicht geklappt. Wir wurden hinausgeschmissen."

Also wurde kurzerhand ein eigener Verein gegründet, in dem behinderte und nicht behinderte Judoka ihren Sport gemeinsam ausüben können. Zurzeit gehören dem Klub rund 130 Mitglieder an. "Ich bin unheimlich stolz, dass wir im Verein sogar behinderte Trainer haben, die nicht Behinderte trainieren. Zu den Judo-AGs in den Schulen darf ich sie aber nicht mitnehmen, weil sie laut Gesetz nicht geschäftsfähig sind - das ist traurig und beschämend."

Hamdy Mohamed könnte noch viel mehr von den Problemen geistig behinderter Menschen im Sportbereich erzählen. Seinen Kampf und sein Engagement will er fortsetzen, weil das Positive sein Motor ist: "Judo ist für geistig Behinderte ein großartiger Sport, weil er Strukturen schafft, das Selbstbewusstsein stärkt und ihnen täglich zeigt: Auch ich kann etwas bewegen. Allein dafür lohnt es sich, gegen alle Widerstände weiterzumachen."

Der Budo Club Ken Shiki, am Waidmannsluster Damm 151 in Reinickendorf beheimatet, ist mit diversen Trainingsangeboten und Workshops mittlerweile auch in Neukölln, Schöneberg und Steglitz aktiv.

Nähere Informationen zum Klub, zu den Angeboten und zum Thema G-Judo gibt es auch unter www.bck-judo.de.

Michael Nittel / min
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