Arbeitslose erarbeiteten eigene Inszenierung

Fünf Monate haben die Akteure an ihrem Stück gearbeitet. (Foto: Frey)
Berlin: Loftushall |

Kreuzberg. Die Darsteller bewegen sich zunächst einigermaßen im Gleichschritt über die Bühne. Dann entdecken sie Musikkassetten. Dadurch verändert sich die Szenerie, jeder ist auf seine Weise von den Tönen fasziniert.

Ein Auszug aus dem Theaterstück "Mix’ N’ Tape". Es wurde von knapp 20 Arbeitslosen erdacht und mit der Regisseurin Sabine Zaluskowski inszeniert. Die Theaterarbeit wurde von der Projektfabrik gGmbH und dem Forum Berufsbildung organisiert und vom Jobcenter finanziert.

Das Jobcenter unterstützt eine Menge Fortbildungsmaßnahmen, mit deren Hilfe Menschen der Einstieg oder die Rückkehr in den Beruf gelingen soll. Ob alle zielführend sind, kann man zumindest kritisch sehen. Wahrscheinlich setzt mancher auch bei diesem Theaterprojekt zunächst ein solches Fragezeichen. Allerdings wird schnell klar, dass hier einiges etwas anders lief und es auch nicht nur um Fertigkeiten in der Bühnenkunst ging.

Das zeigt sich bereits bei der Zusammensetzung der Gruppe. Alle Altersgruppen sind vertreten, der Anteil von Frauen und Männern ist ungefähr gleich. Gleichzeitig trafen sich hier viele Lebenswege. Gabi (49) hat beispielsweise lange bei einer Bank gearbeitet. Lydia (19) steht am Beginn ihres Berufswegs. Der gleichaltrige Jakob würde gern Schauspieler werden. Wie die meisten haben sie sich ganz bewusst auf dieses Projekt eingelassen. Auch das ist schon ein Unterschied zu manch anderen Weiterbildungsangeboten.

Angetrieben hatte sie Neugier oder das Interesse, ihre kreative Ader zu entdecken. Das wurde zum Motor für "Mix’ N’ Tape". Das Thema des Werks ist die häufige Eindimensionalität unseres Lebens. Ob bewusst oder unbewusst werden wir immer wieder fremdbestimmt. Aber was passiert, wenn der eine oder andere ausbricht?

Klar, dass bei diesem Thema auch Erfahrungen der Akteure verarbeitet wurden. Aus ihnen ein gemeinsames Ganzes zu machen, war dann aber die spannende Aufgabe. Es ging um den Austausch in der Gruppe, das Werben und Überzeugen für eine Idee, die eigenen Fähigkeiten einzuschätzen und die Rolle im Gesamtensemble zu finden. Das alles sind auch Voraussetzungen auf dem Arbeitsmarkt. Dazu gab es parallel intensives Bewerbungstraining. Ein Mix, der gleichzeitig das Selbstbewusstsein stärkte. "Ich habe vorher schon lange nicht mehr erlebt, dass du auch mal gelobt wirst", sagt Gabi. Mix’ N’ Tape war einen Fulltime-Job. Jetzt ist das Produkt fertig. Klar hätten sie Lampenfieber, sagen die Akteure. Aber sie sind vor allem stolz.

Die Vorstellungen beginnen am 25. und 26. März 19.30 Uhr in der Loftushall, Maybachufer 48. Der Eintritt ist frei.

Thomas Frey / tf
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