Designerin verbindet Modemachen mit integrativer Arbeit

Modedesignerin Ann-Kathrin Carstensen mit Accessoires ihres Labels Rita in Palma. (Foto: Sylvia Baumeister)

Neukölln. Vor drei Jahren machte sich Ann-Kathrin Carstensen mit ihrem Label "Rita in Palma" selbstständig. Ihre handgearbeiteten Accessoires lässt sie von türkischen Frauen fertigen. Für die integrative Arbeit, die sie damit leistet, wurde die Unternehmerin und Vereinsgründerin dieses Jahr für den Deutschen Integrationspreis vorgeschlagen.

Schon haben auf den ersten Blick haben die Ketten, Schals, Armreifen, Ohrringe, Gürtel und anderen Accessoires, die man in dem kleinen Laden in der Kienitzer Straße 101 findet, etwas Außergewöhnliches und Edles an sich.

Mit kleinsten spitzen Nadeln werden sie dort in verschiedenen Handarbeitstechniken aus feinsten Garnen hergestellt. "Rita in Palma" heißt das Luxuslabel, mit dem sich Ann-Kathrin Carstensen vor gut drei Jahren in Neukölln angesiedelt hat und das auch auf Messen und in Nobel-Kaufhäusern zu finden ist. Schon bevor die Modedesignerin die Geschäftsräume bezog, hatte sie die Idee, ihr während des Studiums entworfenes Label von türkischen Frauen herstellen zu lassen: "Ich hatte immer schon eine große Affinität zur türkischen Kultur und wusste, dass die Frauen viel handarbeiten", erzählt Ann-Kathrin Carstensen.

Mit ihnen in Kontakt zu kommen, erwies sich jedoch als schwierig. Bei ihrem Besuch mit Mustern in türkischen Vereinen begegneten die Frauen ihr und der damaligen Geschäftspartnerin anfangs mit Skepsis.

"Erst als zwei Frauen sich irgendwann entschlossen, meine Muster für einen Versuch in Heimarbeit mitzunehmen, brach das Eis endlich", erinnert sich die Unternehmerin. Einen Platz zum Arbeiten, aber auch einen Treffpunkt für den gegenseitigen Austausch haben die Mitarbeiterinnen seit dem Bezug der Geschäftsräume in der Kienitzer Straße im Jahr 2012. Auf Anregung der Frauen führte Ann-Kathrin Carstensen ein allmorgendliches Frühstück ein.

"Wir arbeiten hier in gemütlicher Runde und Frau Carstensen hat dabei stets ein offenes Ohr für uns", erzählt Meryem Ence, die seit 2012 für das Label handarbeitet.

Auch die Chefin lernte viel über die Frauen, verstand ihre Probleme allmählich besser. "Der Radius im Alltag ist meist sehr klein, aber sie haben ein enormes Potenzial", sagt die 35-Jährige, die seither ein weiteres Ziel verfolgt: "Ich möchte meinen Mitarbeiterinnen die Möglichkeit geben, sich im Alltag zu verwirklichen und begleite sie schrittweise in eine eigene Selbstständigkeit." Für ihre Ziele gründete die Unternehmerin 2012 den gemeinnützigen Verein "Ritas Häkelclub", in dessen Rahmen die Frauen unter anderem kostenlose Deutschkurse erhalten. Momentan sucht der Verein noch dringend Unterstützung, sowohl in Form von ehrenamtlichen Deutsch-Lehrern, als auch finanziell. Bisher trägt Ann-Kathrin Carstensen alle Kosten allein. "Das ist manchmal gar nicht so einfach für mich", sagt sie. "Aber ich würde mich freuen, wenn die Frauen eines Tages auch für Chanel häkeln."

Weitere Infos unter www.ritas-haekelclub.de.

Sylvia Baumeister / SB
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