Zum Wegwerfen viel zu schade: „Kunst-Stoffe“ bietet gebrauchte Materialien zum kleinen Preis

Gegen Abfallberge, für Weiterverwendung engagieren sich Sebastian Stragies, Frauke Hehl und Selena Nzai. (Foto: Schilp)

Neukölln. Vor allem Kreative – vom professionellen Künstler bis zum Heimwerker – sind Kunden bei „Kunst-Stoffe“. Der gemeinnützige Verein hat im vergangenen Sommer die Halle an der Rollbergstraße 26 bezogen. Seitdem stapeln sich dort allerlei nützliche Materialien und warten auf ihre Weiterverarbeitung.

Metallrohre, Spanholzplatten, Schaumstoff, Pappe und Papier, Teppichreste, Plastik, Styropor und vieles andere mehr ist in den Regalen zu finden. Alles wurde von Firmen oder Privatleuten gespendet. Beispiele gibt es viele: In einer Firma fallen regelmäßig einige Quadratmeter Kunststoff-Rest an. Ausstellungsmacher haben nach dem Event für eine speziell angefertigte Metallkonstruktion keine Verwendung mehr. Eine Fotografin löst ihr Studio auf und weiß nicht, was sie mit den großen, farbigen Pappen tun soll, die ihr als Hintergrund für Aufnahmen dienten. „All diese Dinge sind zu schade zum Wegwerfen“, sagt Sebastian Stragies vom Verein.

Und seine Mitstreiterin Frauke Hehl bringt es auf den Punkt. „Wir sind ein Umverteilungslager für Rest- und Gebrauchtmaterialien.“ Das Ziel sei neben der Abfallvermeidung auch, Menschen Anregungen zu geben.

Geöffnet für jedermann ist die Halle jeden Dienstag von 15 bis 19 Uhr. Sebastian Stragies ist dann fast immer vor Ort. „Es kommen ganz unterschiedliche Leute“, sagt er. Einige hätten noch keine konkrete Idee und ließen sich inspirieren, andere wüssten genau, was sie wollten. „Da wird nach weißem, mattem Papier von der Rolle oder nach einem bestimmten Balken gefragt.“ Andere möchten wissen, aus welchem Material sie eine Lampe bauen können, wieder andere brauchen nur ein Stückchen Stoff oder eine kleine Menge Abtönfarbe.

Verschenkt werden die Materialien nicht. Der Preis richtet sich nach dem Zustand der Ware, mehr als die Hälfte des Neupreises ist nie zu zahlen, meistens erheblich weniger. Für soziale Projekte wird es in der Regel billiger als für private Kunden. „Das ist Verhandlungssache, bisher hat es immer ganz gut geklappt“, so Stragies. Riesige Mengen eines bestimmten Materials werden bei „Kunst-Stoffe“ nicht angeboten. „Wir wollen eher exemplarisch zeigen, was in einer großen Stadt so alles anfällt“, sagt Frauke Hehl. Auch eine Werkstatt betreibt der Verein in Neukölln nicht, doch es gibt benachbarte Handwerker, die nach Vereinbarung einspringen und zum Beispiel eine große Spanplatte zusägen könnten.

Apropos Vereinbarung: Wer nach bestimmten Materialien sucht, tut gut daran, sich vorher per E-Mail beim Verein zu erkundigen, ob sie auf Lager sind. Klappt es nicht an der Rollbergstraße, kann vielleicht der Standort in Pankow aushelfen, wo „Kunst-Stoffe“ seit einigen Jahren vertreten ist.

Spenden sind immer willkommen. Allerdings sollte es sich nur um Materialien handeln, nicht um fertige Sachen oder Trödel. „Wenn jemand zwei Dielen übrig hat, nehmen wir sie gerne, einen Küchenschrank allerdings nicht“, sagt Hehl. sus

Die E-Mail-Adresse des Vereins lautet neukoelln@kunst-stoffe-berlin.de. Informationen gibt es auf www.kunst-stoffe-berlin.de.
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