Anfang August wird das erste Brückensegment über die Spree geschoben

Bauoberleiter Ulrich Poetzsch (links) und Referatsleiter Arne Huhn auf der Baustelle. (Foto: Ralf Drescher)
 
Projektmanager Axel Gernth. >Foto: Ralf Drescher

Niederschöneweide. Kürzlich hatte die Berliner Woche vom Baufortschritt bei der neuen Spreebrücke berichtet. Nun durften wir uns erstmals auf der Baustelle umsehen.

Wenn man von der Köpenicker Landstraße kommt, steht in diesen Tagen mitten im Gelände eine Betonpumpe. Die drückt Fertigbeton zwischen Schalplatten, die einem künftigen Treppenabgang für Fußgänger die Form geben. Dahinter liegt wie ein langes Gebäude das erste Teil für den Brückenüberbau. Mit Planen ist es vor der Witterung geschützt. "Dort drin arbeiten 48 Schweißer, verteilt auf sechs Tage mit je drei Schichten. Sie fügen die aus zwei Stahlfachbetrieben angelieferten, rund 40 Meter langen Segmente zusammen", erläutert Referatsleiter Arne Huhn von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Die Arbeit der Schweißer - fast alle kommen aus Rumänien - ist fachlich kompliziert. Die Fugen zwischen den tonnenschweren Stahlteilen werden mit bis zu sechs Schichten verschlossen. Zwischendurch wird mit der Flamme immer wieder die Schweißnaht gewärmt, damit es keine mechanischen Spannungen im Material gibt. Das eigentliche Schweißen erfolgt elektrisch und unter Schutzgas. Die 48 Schweißer und die Schichtarbeit mussten angeordnet werden, weil Anfang August ein wichtiger Termin ansteht. Dann wird der an Land montierte Brückenteil über die Spree verschoben. Dafür müssen schwimmende Zwischenstützen auf Pontons eingesetzt werden und der Fluss wird für 48 Stunden total gesperrt. Der Termin ist langfristig geplant und kann nicht verschoben werden.

Gebaut wird an der 48 Millionen Euro teuren Spreeüberquerung seit 2013. Am Anfang gab es eine unangenehme Überraschung. "Im Bereich der Vorlandbrücken gab es kontaminierten Boden, der war unter anderem mit Thorium belastet. Die Entsorgung der vier Container hat 2,5 Millionen Euro gekostet", berichtet Projektmanager Axel Gernth. Dass Umweltbelastungen durch eine frühere Farbenfabrik an dieser Stelle auftreten können, war bekannt.

Das radioaktive Thorium war aber eine unschöne Überraschung. Vermutlich hat die Farbenfabrik vor rund 100 Jahren auch Glühstrümpfe für Gaslaternen produziert und dafür wurde Thorium eingesetzt. Inzwischen ist das Gift aus dem Boden verschwunden und die Fläche wieder ordnungsgemäß versiegelt worden.

Die Brücke überspannt den hier fast 160 Meter breiten Fluss ohne einen der sonst üblichen Strompfeiler. "Das ist der nahen Einfahrt in den Neuköllner Verbindungskanal geschuldet. Längere Schubverbände müssen bereits unter der Brücke in die Kanaleinfahrt einschwenken", erzählt Referatsleiter Arne Huhn.

Die beiden Fahrbahnen werden auf getrennten, fast vier Meter voneinander entfernten Brückenteilen über die Spree geführt. Auf jeder Hälfte wird ein jeweils fünf Meter breiter Bereich für Radfahrer und Fußgänger reserviert.

Die jetzt in der Endfertigung befindliche Brückenseite wird künftig den Verkehr nach Oberschöneweide aufnehmen. Unmittelbar nach dem Verschub über die Spree beginnt dann an Land die Montage der anderen Brückenhälfte. Und die soll im Sommer 2016 über die Spree geschoben werden.

Ein Jahr später soll die neue Spreebrücke dann eröffnet werden und den Durchgangsverkehr aus den Wohngebieten rund um Edison- und Wilhelminenhofstraße abziehen.


Ralf Drescher / RD
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