Neues Buch informiert über Industrie und Geschichte

Das Buch vermittelt Wissenswertes über Niederschöneweide. (Foto: Ralf Drescher)

Niederschöneweide. Der Ortsteil zwischen Adlergestell und Spree ist vor allem als langjähriger Industriestandort in Erinnerung. Aber auch Kneipen, Sportvereine und eine Brauerei prägten den Standort.

Georg Türke, Mitbegründer des Fördervereins für das Museum Treptow, hat jetzt ein lesenswertes Buch aufgelegt. Darin beschreibt er das Aufblühen des Ortsteils vor rund 100 Jahren ebenso wie den wirtschaftlichen Niedergang nach dem Ende der DDR. Historische Bilder zeigen, wie in den Berliner Metallhütten und Halbzeugwerken gearbeitet wird. Ein paar Seiten weiter bilden Fotos dann die Brache ab, die in der Gegenwart an der Schnellerstraße auf den Bau eines Möbelhauses wartet.

Der Titel des Buchs zeigt die alte Feuerwache von Niederschöneweide, die zum Jahresende, für über sechs Millionen Euro saniert und umgebaut, jetzt die Mittelpunktbibliothek Treptow ist. Erwähnung finden aber auch Betriebe, die Motorflüge für die Landwirtschaft, chemische Erzeugnisse und Farben herstellten. Schon vor der Wende zum 20. Jahrhundert setzte in Niederschöneweide ein regelrechter Kneipenboom ein. An fast jeder Straßenecke wartete ein Wirt mit ein paar Tischen und Stühlen und einem Zapfhahn auf durstige Kunden. Georg Türke erinnert an Etablissements wie "Zur Wolfsschlucht", "Festsaal am Kaisersteg" oder das "Altdeutsche Wirtshaus".

Ebenfalls ein Teil der Ortsgeschichte ist die Lehmann-Villa, die noch heute am Hasselwerderpark neben dem Kaisersteg steht. Sie war um 1900 für den jüdischen Textilfabrikanten Richard Lehmann errichtet worden. Nach dem Niedergang der Textilindustrie wurde das Gebäude an die Stadt Berlin verkauft. Die brachte dort das Gesundheitsamt und nach 1933 die "Fürsorgestelle für Erb- und Rassenpflege" unter. Zu DDR-Zeiten war die Villa Sitz des Wehrkreiskommandos der NVA, nach der Wende war hier zeitweise das Ordnungsamt untergebracht.

Andere Kapitel sind dem früheren Zwangsarbeiterlager an der Britzer Straße und den Brücken gewidmet. Da darf der Kaisersteg natürlich nicht fehlen, der 1945 in den letzten Kriegstagen gesprengt und erst 2008 als moderner Neubau wieder errichtet worden war.

Georg Türke hatte sich bereits mit ähnlich informativen Büchern zu den Ortsteilen Baumschulenweg und Plänterwald einen Namen gemacht. Auch der Band über Niederschöneweide ist allen heimatkundlich Interessierten zu empfehlen.

"Niederschöneweide im Wandel der Geschichte" (ISBN 978-3-930388-89-9) kostet 18 Euro und ist in ausgewählten Buchhandlungen und im Internet erhältlich.

Ralf Drescher / RD
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