Türkische Familie schützte ein Überfallopfer

Mehmet (links) und Ibrahim Yildirim halfen einem Überfallopfer. Cousin Ayhan hatte beim Fototermin frei. (Foto: Ralf Drescher)

Niederschöneweide. Den 2. September wird Mirko K. (23, Name geändert) nicht so schnell vergessen. Von Rechtsextremisten angegriffen, konnte sich der junge Marzahner in seiner Not in einen nahen Imbiss retten.

Am 2. September, kurz nach 3 Uhr. Mehmet Yildirim (29), sein Bruder Ibrahim (28) und Cousin Ayhan (32) sind noch im Schöneweide Grillhaus an der Brückenstraße/Ecke Schnellerstraße und bereiten den Feierabend vor. "Da hörten wir Krach auf der anderen Straßenseite und sahen, wie ein junger Mann von mehreren Angreifern geschubst wird", erzählt Mehmet Yildirim. Drei Gewalttäter haben Mirko K. bedrängt, geschlagen und ihm sein Basecap gestohlen. Der junge Mann läuft in das Imbissrestaurant, bittet um Hilfe. "Die Angreifer kamen gleich hinterher, haben uns als Kanaken beschimpft und weiter auf ihr Opfer eingetreten. Da hat mein Bruder zum leeren Dönerspieß gegriffen und damit die Typen aus dem Laden gedrängt", erzählt Mehmet Yildirim.Zum Glück war eine Zivilstreife der Polizei in der Nähe. Die Beamten konnten das gewalttätige Trio überwältigen und vorläufig festnehmen. Die Randalierer wurden zur Personen- und Alkoholüberprüfung zur Gefangenensammelstelle gebracht. "Wenn die Polizei nicht gleich eingeschritten wäre, hätte es eine Katastrophe geben können", meint Mehmet Yildirim.

Der junge Mann, der den Imbiss gemeinsam mit Bruder und Cousin erst seit April betreibt, würde aber trotz der Gefahr immer wieder so handeln. "Wenn ein Mensch in mein Haus kommt und um Hilfe bittet, muss ich helfen", sagt er dazu.

Das Engagement der drei Männer vom Imbiss wurde bereits drei Tage nach ihrer Heldentat belohnt. Bürgermeister Oliver Igel (SPD) besuchte das Schöneweide Grillhaus, übergab eine Urkunde, Bezirks-T-Shirts und Blumen. "Die Yildirims sind ein gutes Beispiel für Mut und Zivilcourage. Es gibt leider zu wenig Menschen, die in so einem Fall so engagiert eingreifen", meint Bürgermeister Igel. Die drei Angreifer sollen vor der Tat ausgiebig in der bei Rechtsradikalen beliebten nahen Kneipe "Zum Henker" gezecht haben. Das Lokal war schon mehrfach Ursprungsort für Übergriffe durch Rechte.


Ralf Drescher / RD
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