Verkauf der Lehmann-Villa an Investoren soll gestoppt werden

Niederschöneweide. Der Liegenschaftsfonds will das Haus Hasselwerderstraße 22 - die Lehmann-Villa - zusammen mit der bisher öffentlichen Parkanlage verkaufen.

Das versucht die Bezirksverordnetenversammlung zu stoppen. Bereits im Januar hatten sich Linke, SPD und Piraten beim Bezirk dafür eingesetzt, den bedingungsfreien Verkauf zu verhindern.

Derzeit holt der Steuerungsausschuss des Liegenschaftsfonds Stellungnahmen mehrerer Senatsverwaltungen ein. Außerdem gibt es Verhandlungen über den Abschluss eines Mietvertrags mit dem Projekt Novilla der Movingpoets, einer gemeinnützigen GmbH. Die ist derzeit noch im Bruno-Bürgel-Weg im Kulturbereich tätig. "Wir würden die Villa gern als Ort der Begegnung nutzen, mit kulturellen und künstlerischen Angeboten als Anker. Hier könnten Konzerte und Ausstellungen stattfinden, im Garten würde ein Kindercafé öffnen", erläutert Till Schmidt-Rimpler von den Movingpoets.

Ein Kauf schließen die Projektverantwortlichen derzeit aus, streben aber einen Erbbaupachtvertrag an.

Das fast 100-jährige Haus hat eine interessantere Geschichte. Erbaut wurde die Villa einst für Richard Lehmann, den Eigentümer einer Plüsch- und Textilfabrik am nahen Spreeufer. Lehmann war jüdischer Abstimmung, Religion spielte in seinem Leben jedoch keine Rolle. Er war Mitglied der Industrie- und Handelskammer, Gemeindevertreter von Niederschöneweide und er engagierte sich in der Berufsgenossenschaft.

Weil die Firma in der Weltwirtschaftskrise schwer getroffen wurde, musste Lehmann das schöne Gebäude 1932 verlassen. Ein Jahr später nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde er wegen seiner jüdischen Abstammung erst diskriminiert, dann verfolgt. Richard Lehmann und seine Ehefrau Elsbeth wurden 1943 deportiert und in Theresienstadt beziehungsweise Auschwitz ermordet. Mit einer Gedenkveranstaltung vor der einstigen Fabrikantenvilla haben Bezirksverordnete und Heimatverein Köpenick am 150. Geburtstag Richard Lehmanns an das Schicksal des einst geachteten Mitbürgers erinnert. Vor der Wende Wehrkreiskommando, war das Haus später vom Treptower Standesamt, dann vom neu gegründeten Ordnungsamt des Bezirks Treptow-Köpenick genutzt worden. Seit dem Auszug des Ordnungsamts steht es meist leer, ein erster Verkaufsversuch durch den Liegenschaftsfonds war gescheitert.


Ralf Drescher / RD
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