Sigrid Eichner startete zu ihrem 1930. Marathon

Siegrid Eichner will bis zu ihrem 75. Geburtstag 1940 Marathons laufen. (Foto: Bernd Wähner)
 
Sigrid Eichner (Bildmitte) startete im Schlosspark Schönhausen zum Marathon der Pankrunners. (Foto: Bernd Wähner)
Berlin: Schloss Schönhausen |

Pankow. Sigrid Eichner ist eine Legende. Sie absolvierte so viele Marathons wie kein Mensch vor ihr. Vor wenigen Tagen startete sie am Schlosspark Schönhausen zu ihrem 1930. Marathonlauf.

Diese Zahl muss man zweimal lesen, um die Leistung der in Prenzlauer Berg wohnenden Sportlerin annähernd begreifen zu können. Als Weltrekordhalterin, was die Anzahl der Marathons betrifft, ist sie bereits im Guinnessbuch der Rekorde verewigt. Aber jeden Monat läuft sie weitere Marathons.

Zum Laufen kam die 74-Jährige über die sogenannte Meilen-Bewegung in der DDR der 60er-Jahre. „Damals fanden im Vorfeld des Deutschen Turn- und Sportfestes in Leipzig immer Läufe in den Betriebssportgemeinschaften statt. Als Anreiz gab es Wimpel. Je mehr Meilen man lief, umso größer war der Wimpel, den man erhielt“, erinnert sie sich an ersten Läufe.

Laufen als Ausgleich

Die studierte Ingenieurökonomin entdeckte nach und nach das Laufen als Ausgleichssport. Sie arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Rechenzentrum der Bauakademie. Als Mutter hatte sie außerdem den Haushalt zu bewältigen. „Beim Laufen konnte ich abschalten. Da rief keiner nach der Mama. Ich bekam einfach den Kopf frei.“

In den 70er-Jahren gehörte sie dann, inzwischen durch das regelmäßige Laufen gut trainiert, zumeist der Spitzengruppe bei Mittelstreckenläufen an. Bekannte schleiften sie zu allen möglichen Veranstaltungen mit. „Mein erster Marathon war dann der Lichtenberg-Marathon 1982“, so Sigrid Eichner. Nachdem sie diesen erfolgreich absolviert hatte, war sie vom Marathon-Virus infiziert.

Vom Brocken bis zum Rennsteig

Anfangs lief sie zwei Marathons im Jahr. Sie startete unter anderem beim Brocken-Marathon oder beim Rennsteiglauf. Nach der Wende legte sie dann richtig los. Häufig nahm sie an Laufereignissen über mehrere Tage teil. Unter anderem absolvierte sie 1994 den Spartathlon von Athen nach Sparta. Die 246 Kilometer zählten allerdings wie die anderen 750 Ultramarathons auch nur als ein Lauf in ihrer Bilanz.

Die unglaubliche Anzahl ihrer Marathons lässt schon fast eine Sucht vermuten. „So würde ich das nicht bezeichnen“, sagt Sigrid Eichner. „Laufen ist für mich eine schöne Beschäftigung. Da merke ich, dass ich noch da bin und lebe. Wenn ich ein Ziel erreicht habe, dann nehme ich mir das nächste vor. Da quäle ich mich auch mal, aber das bleibt dann in Erinnerung.“

2010 lief sie ihren 1500. Marathon. „Danach fragte mich irgendjemand: Willst du etwa bis zu deinem 75. Geburtstag 2000 Marathons absolviert haben“, so Eichner. „Ich antwortete: Das werde ich wohl nicht schaffen. Da meinte mein Gesprächspartner: Dann nimm dir doch 1940 vor. Das ist dein Geburtsjahr. Ich dachte mir: Das ist realistisch. Seitdem ist diese Zahl in meinem Gehirn eingepflanzt.“

Laufen mit Gleichgesinnten

Weil ihr nur noch wenige Marathons bis zu ihrem 75. Geburtstag am 29. September fehlen, entschloss sich die Pankower Laufinitiative Pankrunners, die Lauflegende tatkräftig zu unterstützen. „Wir treffen uns seit einiger Zeit jede Woche in Pankower Parks, um mit Gleichgesinnten zu laufen“, berichtet der Grafiker Christian Badel, der in der Laufinitiative mitmacht. Unter Federführung der Steuerberaterin Anke Czerwonka sind für die nächsten Tage insgesamt vier offizielle Marathons mit einem Start in Pankow von den Pankrunners organisiert worden. Mit dabei ist auf jeden Fall Sigrid Eichner. Über Facebook kann sich jeder zum Mitlaufen anmelden. Am ersten Marathon nahmen immerhin 14 Läufer teil. Sie machten sich auf den Weg in Richtung Bernau und zurück.

Für den Pankower Olivenölhändler Werner Hofer, der seit einiger Zeit mit den Pankrunners trainiert, war dieser Lauf übrigens ein ganz besonderer: „Es war mein allererster Marathon“, sagt er. „Gut fand ich, dass wir eine relativ kleine Gruppe waren. Sigrid gab das Tempo vor. So schaffte ich es bei meinem ersten Marathon tatsächlich ins Ziel – und das gleich mit einer Lauflegende.“

"Laufen ist keine Mathematik"

Sigrid Eichner sieht das mit der Zielmarke 1940 Marathons übrigens gelassen. „Ich habe gelernt, dass das Laufen keine Mathematik ist. Man kann sich schnell mal verletzen und dann erreicht man sein Ziel nicht.“ Doch ehrgeizig ist sie trotzdem. BW

Mehr zu den nächsten Marathons der Pankrunners für Sigrid Eichner ist auf Facebook http://asurl.de/12oh zu erfahren.
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