Vor 50 Jahren kamen die Bahnfans erstmals zusammen

Reinhard Demps (rechts) und Joachim Kubig gehören zu den Vereinsgründern. Andreas Kubig (links) setzt die Arbeit des Vaters fort. (Foto: KT)

Niederschönhausen. Der Berliner liebt seine "Elektrische". Ein Zeichen dafür sind jene historischen Straßenbahnen, die besonders im Sommer durch die Stadt fahren und Touristen wie Berliner zum Staunen bringen.

Dass es diese alten Vehikel überhaupt noch gibt, ist auch den Mitgliedern des Denkmalpflegevereins Nahverkehr zu verdanken. Die Geschichte des Vereins begann genau vor einem halben Jahrhundert. Am 1. Januar 1964 bildeten die Liebhaber der alten Bahnen eine Abteilung im Verband der Modelleisenbahner der DDR.

Reinhard Demps und Joachim Kubig haben den Verein damals aus der Taufe gehoben. Viele amüsante Geschichten haben die beiden Herren zu erzählen. Sicherlich gehört zu diesen Erinnerungen auch, dass die ersten Mitgliederversammlungen bei Charlotte von Mahlsdorf im Gründerzeitmuseum Mahlsdorf stattgefunden haben. "Lothar Berfelde alias Charlotte von Mahlsdorf war Mitglied in unserm Verein", erzählt Reinhard Demps. "Da wir noch keine eigenen Räume hatten, haben wir uns einmal im Monat in der Mulackritze im Keller des alten Gutshauses in Mahlsdorf getroffen. Und schließlich konnte Charlotte den Vereinsmitgliedern berichten, wie sich die Straßenbahn entwickelt und wie so ein Wagen früher ausgesehen hat. Denn die Anfänge der Berliner Straßenbahn liegen in der Gründerzeit, und für diese war Charlotte als Experte anerkannt.

Der Straßenbahnwagen, den Charlotte von Mahlsdorf in den 60er-Jahren noch mit restaurierte, steht heute im ehemaligen Straßendepot in der Dietzgenstraße 100. Es ist ein Maximumwagen von 1910. Die Inneneinrichtung ist nach heutigen Maßstäben purer Luxus. Alles ist in Mahagoni gehalten. Die Decke ist mit Vogelaugenahorn verkleidet. Das ist eine besondere Maserung im Holz. Die Beschläge sind alle aus blankem Messing. Von diesem Wagen gibt es auch noch eine Reihe von historischen Aufnahmen beispielsweise aus Schöneberg. "Diese Wagen sind noch bis 1969 in Köpenick gefahren", sagt Joachim Kubig, der gerade an einem Buch über die Köpenicker Straßenbahn arbeitet.

Der Denkmalpflegeverein bereitet sich indes auf ein besonderes Datum vor. Im kommenden Jahr wird die Straßenbahn in Berlin 150 Jahren alt. Die Geschichte der Straßenbahn beginnt am 22. Juni 1865 mit der Pferdebahn vom Brandenburger Tor über die heutige Straße des 17. Juni nach Charlottenburg. 16 Jahre später fuhr die erste "Elektrische".

Weitere Informationen dazu gibt es im Internet auf www.dvn-berlin.de.

Klaus Tessmann / KT
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