Bezirk sieht keine Möglichkeit, Gedenkort für Zwangsarbeiter einzurichten

Niederschönhausen. Der letzte erhaltene Betonbunker auf dem Gelände des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers in der Schönholzer Heide wird voraussichtlich kein öffentlich zugänglicher Gedenkort.

Vor einem Jahr hatten die Bezirksverordneten angeregt, den Bunker als Gedenkort zugänglich zu machen. Der Bunker gehörte zum früheren Zwangsarbeiterlager im ehemaligen Luna-Park. In diesem Lager waren ab 1940 Zwangsarbeiter vorwiegend aus Polen, Frankreich, Belgien, Kroatien und Russland untergebracht. Diese wurden in den Deutschen Waffen- und Munitionswerken DWM eingesetzt. Viele der Menschen starben an Unterernährung, Krankheit und bei Bombenangriffen.

Nun sollte es mit dem Bunker einen Erinnerungsort an das Zwangsarbeiterlager geben. Wie sich jetzt zeigt, lässt sich die Idee aber nicht so leicht umsetzen. Zunächst müsse nämlich geprüft werden, ob man den Bunker baulich überhaupt so wiederherstellen könne, dass er gefahrlos zu betreten sei, berichtet Kulturstadtrat Torsten Kühne (CDU). Außerdem sei zu prüfen, welche Kosten anstehende Bauarbeiten verursachen würden. Eine solche fachliche Begutachtung könne das Bezirksamt derzeit nicht leisten, so der Stadtrat weiter. Deshalb habe man sich an die Senatskanzlei für kulturelle Angelegenheiten mit Bitte um Unterstützung gewandt. Diese ist Ansprechpartner für die Mahn- und Gedenkstätten im Land Berlin.

Finanzielle Mittel fehlen

"Die Senatskanzlei teilte nun mit, dass auch sie weder eine Expertise hat, um solche Begutachtungen selbst durchzuführen, noch Mittel für eine externe Beauftragung", bedauert Kühne. Weil weder die Bezirksverwaltung noch der Senat für ein Gutachten sorgen können, sehe das Bezirksamt derzeit keine Möglichkeit, den Bunker als Mahnmal für Besucher zugänglich zu machen, so das Fazit des Stadtrats.

Bleibt zu hoffen, dass sich in absehbarer Zeit vielleicht doch noch eine Lösung findet. Denn die Existenz des früheren Zwangsarbeiterlagers und des Bunkers sind inzwischen allgemein bekannt. Immer wieder finden dorthin auch Führungen statt. Ein Ort des Erinnerns und Gedenkens an dieser Stelle wäre daher umso angebrachter.


Bernd Wähner / BW
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