Bahnverkehr raubt den Nikolasseern den Schlaf

Die Idylle trügt: Die Eisenbahn, vor allem der Güterverkehr, raubt den Bewohnern in Nikolassee die Ruhe. (Foto: M. Schmidt)

Nikolassee. Die Durchfahrt von Güterzügen über die Stadtbahn möchte die CDU künftig einschränken. Das sieht ein Antrag des Christdemokraten Martin Reiher in der BVV vor.

Dem Bezirksamt werde empfohlen, so heißt es im Antrag, sich an die Deutsche Bahn AG mit dem Anliegen zu wenden, die Durchfahrt von Güterzügen über die Stadtbahn "möglichst zu unterbinden." Reiher will damit die "Lärmbelästigungen in Nikolassee" durch die Eisenbahn erheblich verringern.Der 29-Jährige beruft sich auf Beschwerden von Anwohnern. Der Verkehr habe so stark zugenommen, weil nachts der Güterverkehr über die Stadtbahn läuft und nicht mehr außen rum. Bei den Betroffenen stößt Reihers Vorstoß auf Zustimmung. Anna Kredner, die seit eineinhalb Jahren nahe dem S-Bahnhof wohnt, findet die Bahn "unglaublich laut. Von der Bahn hört man immer Lärm", sagt die 39-jährige Mutter, deren dreieinhalbjähriger Sohn davon früher öfter aufwachte: "Seitdem die Brücke neu gemacht wurde, rauschen die Züge Tag und Nacht in einem Wahnsinnstempo hier lang."

Die Mutter zweier Kinder versteht die Anwohner nicht, die sich im vergangenen Jahr aus ästhetischen Gründen gegen Lärmschutzwände wandten - nach Ansicht Kredners "totaler Schwachsinn. Man hat das Gefühl, die Züge fahren durchs Wohnzimmer, manchmal drei hintereinander." Die Anwohnerin plädiert für Lärmschutzmessungen. Auch für Michael Krajniak in der Spanischen Allee ist es "schlimmer geworden, seitdem hier gebaut wurde." Nachts gebe es auch Zuglärm, aber tagsüber ab kurz vor 6 Uhr sei es schlimmer, meint Krajniak, der seit acht Jahren dort wohnt.

Auch Dieter Prause stören die Züge, die zu allen Wochentagen hinter dem Haus entlangfahren. "Morgens zwischen zwei und drei Uhr ist es ganz unangenehm", sagt der 73-Jährige, dem besonders das Rangieren auf die Nerven geht. "Die halten an und fahren wieder los", klagt der Rentner, der seit mehr als 50 Jahren an der Spanischen Allee lebt. Nach Ansicht des Bezirksverordneten Reiher verfügt Berlin "über einen Außenring, über den Güterzüge um die Stadt herum geleitet werden können, ohne Anwohner im Schlaf zu stören." Bezirksbürgermeister Norbert Kopp sollte entsprechende Unterredungen mit der Bahn aufnehmen.


Martinus Schmidt / mst
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