Die meisten Hundebesitzer halten sich nicht an die Verbotszonen

"Hundeverbot oder nicht, als verantwortungsvoller Hundebesitzer geht man respektvoll mit Mensch und Natur um", erklärt Marten Kall. (Foto: sabka)

Nikolassee. Es könnte so schön ruhig sein am Schlachtensee. Vogelgezwitscher, das Rauschen der Uferböschung, Entengeschnatter. Doch der Krach zwischen Hundehaltern und Befürwortern des Hundeverbots an den Badestellen und am Ufer des Sees ebbt nicht ab.

Beatrice Schumann und ihre vierbeinige Begleiterin, eine Golden Retriever-Dame, die an diesem Vormittag am See unterwegs sind, haben einen Maulkorb verpasst bekommen. Schluss mit Gebelle und Protest: das Hundeverbot gilt. So will es das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf.

Marten Kall mit Hundedame Suri schert sich wenig um das Verbot. "Ich war jetzt zwei Stunden am See spazieren und habe nur drei Hunde gesehen", sagt er. Er bezweifle, dass das Badeverbot rechtlich haltbar ist. Auch die Initiative "Hunde am Schlachtensee" stellt die Rechtmäßigkeit infrage. Per Eilantrag soll jetzt beim Verwaltungsgericht die Feststellung einer aufschiebenden Wirkung gegen das Hundeverbot erwirkt werden. Unterdessen trifft man weitere Hundehalter, die das Verbot boykottieren. "Ich kann verstehen, wenn die Hunde am Badesee an die Leine zu nehmen sind, aber weiter hinten, muss sich auch einmal ein Hund auslaufen und im See erfrischen dürfen", sagt Elisabeth Ziak. "Als Hundebesitzerin fühle ich mich durch das Verbot diskriminiert."

"Hunde gehören an die Leine", erklärt dagegen Jasper Krahmer. Der Zehlendorfer kommt zum Joggen an den See. Gestört haben ihn die Hunde, wenn sie außer Kontrolle geraten. Dass Hundebesitzer jetzt einen Bogen um das Gebiet machen müssen, hält er jedoch für überzogen. Ihm würde der gegenseitige Respekt genügen.

Weil es daran aber in der Vergangenheit gemangelt habe und Hinterlassenschaften der Hunde dem See schadeten und Badegäste und naturliebende Spaziergänger störten, sehen Hundehalter wie Marten Kall jetzt Rot, wenn sie den Uferweg betreten. Angefeindet wurde er deshalb bisher noch nicht. Erwin Brechter jedoch schon. Beschimpfungen und Beleidigungen musste er sich anhören. Bis hin zu Rempeleien und Gewaltankündigungen von Joggern und Radfahrern reiche das Ausmaß, erzählt er. "Manche spielen sich auf, wie die Polizei."

Dabei befindet er sich mit seinem angeleinten Hund auf erlaubtem Terrain. Auf dem Zugang zum Bootsverleih Schlachtensee, Marinesteig 6, darf er Tyra, einen stattlichen Briard, ausführen. Hier lässt der gelb markierte Holzpfahl das Führen von Hunden an der Leine zu. Zu einem Kompromiss wäre Erwin Brechter bereit. Er könnte sich rund um den See Leinenzwang oder vielleicht das Hundeverbot in der Badesaison vorstellen.

Die beiden Spaziergängerinnen, die auf dem Weg zur Fischerhütte sind, haben nur bedingt Verständnis für die Hundebesitzer. "Schwierig wird es, wenn Hunde losgeleint und nicht zurückgepfiffen werden", sagt Helene Schröger. Natürlich seien daher Eltern um ihre Kinder bei einem Badeausflug besorgt. "Für solche Fälle macht das Verbot Sinn."

Nicht verboten sind die gelb markierten Bereiche. Hier dürfen Hundehalter ihre Hunde auf dem Waldweg angeleint ausführen. Und bei Grün können Hunde sogar von der Leine genommen werden.


Sabine Kalkus / sabka
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