Die Breisgauer Straße liegt mitten im „Grenzgebiet“

Gastronomie gibt es reichlich in der Breisgauer Straße. (Foto: Ulrike Martin)
 
Auf dem Wandgemälde von Dörte Kordts am Café Schlacht sind zahlreiche Details zu entdecken: Badende im Schlachtensee, aber auch der Fernsehturm, das Brandenburger Tor und ein Ozeandampfer. (Foto: Ulrike Martin)
Berlin: Breisgauer Straße |

27. Juni 1995, 10.25 Uhr: Vier Männer betreten die Commerzbank in der Breisgauer Straße 8, nehmen 16 Geiseln, fordern 17 Millionen Mark Lösegeld, einen Hubschrauber und einen Fluchtwagen.

Der Banküberfall erlangte weltweite Aufmerksamkeit durch die ungewöhnliche Vorgehensweise der Täter. Sie begannen bereits im März 1994 einen Tunnel von der Matterhornstraße aus zu graben, um in die Bank zu gelangen. Dort erbeuteten sie schließlich 16,3 Millionen Mark. Lediglich ein knappes Drittel davon konnte später sichergestellt werden, und auch von den elf Tätern sind bis heute nicht alle gefunden worden. Von den Geiseln kam keine zu Schaden. Die Commerzbank-Filiale, die damals Schlagzeilen machte, ist 2011 in den Neubaukomplex direkt an der S-Bahn gezogen. In der Nr. 8 befindet sich heute eine Parfümerie.

Geschäfte gibt es viele in der Straße. Gleich am S-Bahnhof Schlachtensee befinden sich zwei Lebensmittel-Discounter, eine Apotheke, Ärzte, eine Bäckerei und ein Reisebüro. Weiter in Richtung Süden gibt es mehrere Mode- und Schuhgeschäfte, ein Weinmagazin, noch zwei Supermärkte, einer davon Bio, Tierarzt- und Massagepraxis. Wer links in die Matterhornstraße einbiegt, kann dienstags und freitags über einen Wochenmarkt schlendern.

Vom S-Bahnhof aus betrachtet wirkt die leicht ansteigende Breisgauer Straße wie die Geschäftsmeile einer Kleinstadt – gemütlich und unaufgeregt. Dazu passt, dass Anwohner wie Gäste eine gute Auswahl an Cafés und Restaurants zum Entspannen vorfinden. Im Sommer sind die Tische draußen oft voll besetzt, die Stimmung hat fast etwas Mediterranes.

Die Nr. 2, das Café Schlacht, überrascht mit einem großen Wandgemälde an der Seite: ein Gewässer mit Wald – der Schlachtensee. Wer es wann gemalt hat, wissen die Betreiber nicht mehr. Darunter ist ein kleineres Gemälde zu sehen, von der Straße aus nicht gleich zu entdecken. Die Kreuzberger Künstlerin Dörte Kordts hat es 2010 als Auftragsarbeit für das Café fertig gestellt. Es lohnt sich, mehr als einen Blick darauf zu werfen, denn es ist viel zu entdecken– der See mit dem Café Schlacht als Biergarten, aber auch der Fernsehturm, das Brandenburger Tor, hohe Gipfel mit Bergsteiger, Steinbock und Almkühen, ein Dampfer fährt auf einem Mauersims von rechts ins Geschehen. „Das Bild soll das Angebot der Speisekarte widerspiegeln, vom Schlachtensee bis zu den Alpen“, sagt Dörte Kordts.

Die Breisgauer hat noch eine Besonderheit. Genau durch die Mitte der Straße verläuft die Grenze zwischen Zehlendorf und Nikolassee. Schlachtensee ist kein Ortsteil, sondern nur eine Ortslage. Ein Unding, sagt der Regionalforscher Dirk Jordan. Er plädiert dafür, Schlachtensee zum offiziellen, achten Ortsteil des Bezirks zu machen und hat eine Initiative gegründet. Befürworter der Idee wie die SPD-Fraktion in der BVV wünschen sich mehr Identität für diesen Kiez, die schwarz-grüne Mehrheit befürchtet einen zu großen Aufwand. Ein Prüfauftrag läuft aber.

So abwechslungsreich sich die Breisgauer Straße im ersten Abschnitt präsentiert, so ruhig zeigt sie sich im weiteren Verlauf. Von der Kreuzung Dubowstraße bis zum Ende an der Ecke Guernicaplatz und Spanische Allee gibt es keine Läden mehr, schöne alte Häuser mit viel Vorgartengrün sorgen für eine gediegene Atmosphäre.

„Das ist auch gut so“, sagt Gertrud Holst, die im ruhigen Teil wohnt. „Hier ist es gemütlich, aber in ein paar Minuten bin ich mittendrin, kann einkaufen und Kuchen essen.“ Die Rentnerin ist vor 15 Jahren aus der Steglitzer Albrechtstraße hierher gezogen und hat diesen Schritt nie bereut. „Ich brauche keine Hektik.“

Fakten und Hintergründe

• Die Breisgauer Straße wurde 1896 zwischen dem S-Bahnhof Schlachtensee und der Potsdamer Chausse angelegt. Bis 1937 hieß sie Viktoriastraße, benannt nach Prinzessin Viktoria Luise von Preußen (1892-1980), Tochter von Kaiser Wilhelm II.

• 1925 wurde das Teilstück zwischen der Hubertusstraße (heute Tewsstraße) und der Potsdamer Chaussee in die Wannseestraße (seit 1939 Spanische Allee) einbezogen.

• Namensgeber ab 1. September 1937 war der Geistliche und Politiker Adolf Stoecker (1835-1910), die Viktoriastraße hieß nun Stöckerzeile. Stoecker führte in den 1870er-Jahren den Antisemitismus in die deutsche Politik ein.

• Im Rahmen der Entnazifizierung erfolgte am 31. Juli 1947 die Umbenennung nach dem Breisgau, einer Landschaft am Oberrhein in Baden-Württemberg.

• Am Ende der Straße, auf dem Guernicaplatz, steht eine Gedenktafel. Sie erinnert an die Bombardierung der baskischen Stadt Gernika am 26. April 1937 durch die Legion Condor. 
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