Interview mit Dr. Christian Thiele zur neu eröffneten psychosomatischen Tagesklinik

Dr. Christian Thiele vor dem Eingang zur neu eröffneten psychosomatischen Tagesklinik, die in der Villa Waldhaus untergebracht ist. (Foto: Ulrike Martin)
 
Die Villa Waldhaus auf dem Gelände des Theodor-Wenzel-Werks. (Foto: Ulrike Martin)
Berlin: Theodor-Wenzel-Werk |

Nikolassee. Im Theodor-Wenzel-Werk in der Potsdamer Chaussee 69 hat im April eine psychosomatische Tagesklinik mit 17 Plätzen eröffnet. Berliner Woche-Reporterin Ulrike Martin sprach mit Dr. Christian Thiele, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie mit internistischem Schwerpunkt über die Einrichtung.

Herr Dr. Thiele, was war der Anlass, eine psychosomatische Tagesklinik einzurichten?

Christian Thiele: Dieses Ziel hatten wir schon länger. 2016 standen wir dann im Krankenhausplan des Senats und konnten mit der Konzeptionierung und Einrichtung der Tagesklinik beginnen. Wenn man die sozio-demographische Entwicklung betrachtet, ist zu erkennen, dass der Bedarf für Therapien im psychosomatischen Bereich sehr groß ist. Das gilt für die stationäre wie auch die teilstationäre Behandlung.

Warum ein teilstationäres Angebot, also eine Tagesklinik?

Christian Thiele: Eine Tagesklinik hat einen entscheidenden Vorteil im Vergleich zur stationären Aufnahme: Die Patienten können abends nach Haus gehen, sind in ihrem gewohnten Umfeld, bei ihrer Familie oder ihren Lebenspartnern. Der eigenverantwortlich gestaltete Lebensablauf wird aufrecht erhalten. Auf diese Weise bleibt die Verbindung zum sozialen Umfeld trotz intensiver Therapie bestehen.

Für wen ist die Tagesklinik geeignet?

Christian Thiele: Für viele Krankheitsbilder, die sich psychosomatisch äußern, zum Beispiel für Menschen mit Essstörungen, Depressionen, Ängsten, chronischen Schmerzen oder mit einer Burn-Out-Diagnose. Im Prinzip behandeln wir alle Patienten, die sich in einer Krise befinden. Die Einzelheiten der Therapien werden in Vorgesprächen geklärt.

Für wen ist die Tagesklinik eher nicht zu empfehlen?

Christian Thiele: Wenn die Familie der Ort des Problems ist, was gerade bei jungen Menschen oft vorkommt, ist der enge Kontakt jeden Abend eher kontraproduktiv, und eine stationäre Aufnahme wäre besser. Das gilt auch für Patienten mit einem schwerwiegenderen Krankheitsbild.

Wie läuft ein Tag in der neuen Klinik ab, wie lange dauert ein Aufenthalt?

Christian Thiele: Jeden Morgen gibt es eine Besprechung mit allen Patienten der Tagesklinik. Danach beginnt das achtstündige Standardprogramm mit Einzel-und Gruppen-Therapien, aber auch fakultativen Angeboten wie Physiotherapie oder Entspannungsverfahren. Natürlich gibt es Pausen, in denen die Patienten zusammen Mittag essen, sich über ihre Erfahrungen austauschen oder einfach nur entspannen. In der Regel dauert ein Aufenthalt sechs bis acht Wochen.

Gibt es einen Schwerpunkt oder ein Alleinstellungsmerkmal, das hervorzuheben ist?

Christian Thiele: Wir legen viel Wert auf die Arbeit in der Gruppe. Die Patienten durchlaufen gemeinsam einen Prozess. Sie lernen sich kennen, können sich gegenseitig bereichern und fühlen sich mit ihrem Problem nicht allein gelassen oder ausgegrenzt. Dazu trägt auch ein festes Team von Ärzten und Pflegern bei, das sich gemeinsam als Gruppe über die Therapie ihrer Patienten Gedanken macht.

Mehr Informationen unter  81 09 26 01.


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