Kunst zieht in alte Fabrikhallen ein

In die rund 90 Jahre alten Fabrikhallen werden moderne Isolierglasfenster eingesetzt. (Foto: Ralf Drescher)
Berlin: Schauhallen |

Oberschöneweide. Die Reinbeckstraße ist eine der kürzesten Straßen im Bezirk. Hier gibt es ein paar Wohnhäuser, ein Studentenwohnhaus, das Museum Industriesalon und bald auch die „Schauhallen“.

An einer alten Werkhalle aus den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts sind ein paar Arbeiter beschäftigt, sie setzen von einem Gerüst aus Scheiben ein. „Es war gar nicht so einfach, eine Firma zu finden, die Isolierglas speziell für unsere Fenster herstellen kann. Nach längerer Suche bin ich schließlich in Polen fündig geworden“, erzählt Sven Herrmann. Der Rechtsanwalt ist der Besitzer der alten Reinbeckhallen und er ist der Bauherr. Vor gut zehn Jahren hatte er die Hallen des früheren Transformatorenwerks Oberspree gekauft und sein Projekt „Schauhallen“ öffentlich vorgestellt. Darin sollten mehrere Ableger internationaler Galerien Platz finden und Besucher in den Kiez bringen.

Allerdings schien auch das Projekt von Herrmann damals schon beendet zu sein. „Das hätte rund zehn bis 16 Millionen Euro gekostet. Ich habe damals Berliner Wirtschaftsunternehmen um Unterstützung gebeten. Die waren aber nicht bereit, sich in diesem Umfang zu beteiligen“, sagt Sven Herrmann. Jedoch hat sich der Wind inzwischen gedreht. Mit den Studenten der Hochschule für Technik und Wirtschaft kamen auch Künstler, die Ateliers und Ausstellungsräume brauchen.

Und einen Zuganker hat der Besitzer auch. Bryan Adams, der kanadische Rocksänger, Komponist und Fotograf, hat eine der Hallen gekauft und wird darin Atelier und Ausstellungszentrum einrichten. Die Nachbarhalle ist noch für Jahre zu einem symbolischen Preis an den Industriesalon vermietet., Sven Herrmann ist einer der Förderer dieses Projekts. Die historische Reinbeckhalle, die aus vier nebeneinander stehenden Gebäudeteilen besteht, wird bis zum Sommer 2016 saniert. Dabei darf der Charme der alten Industriehallen nicht verlorengehen. Selbst die Dampfheizer aus DDR-Zeiten werden aufgehoben. Sie kommen später als Dekoration wieder an die Wand. Ebenso die alten Hallenkräne, mit der einst die schweren Transformatoren bewegt wurden. „Wir streben eine Mischnutzung an. Außen wird es 19 Künstlerstudios und vielleicht einige passende Geschäfte und Gastronomie geben, im Innern eine Ausstellungs- und Veranstaltungshalle“, erzählt Sven Herrmann. Der Veranstaltungsteil bleibt im Besitz des Investors, die Künstler können ihre Studios mieten oder kaufen. „Wir bringen Leben nach Schöneweide“, verspricht Sven Herrmann.

Sein nächstes Projekt steht gleich neben der historischen Halle. Das ist eine Werkhalle aus Plattenbauteilen, die 1989 zur Wende erst im Rohbau fertig war und nie für die Produktion genutzt wurde. Auch hier könnte sich Sven Herrmann später einmal Künstlerateliers vorstellen. RD
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