Der Rias kommt nach Schöneweide

Winfried Müller bei Montagearbeiten am Röhrenblock des Senders. (Foto: Ralf Drescher)

Oberschöneweide. Bald schon können Besucher im Industriesalon einen weiteren Zeugen der Technikgeschichte bewundern. Teile des letzten Kurzwellensenders von Rias Berlin werden gerade montiert.

Der Telefunkensender aus dem Jahr 1951 war bis 2012 in Britz in Betrieb und hatte das Programm von Deutschlandradio auf Kurzwelle abgestrahlt. Später war er bei einer Verwertungsfirma in Neuruppin bereits zerlegt worden. „Wir haben die wichtigsten Teile nach Berlin zurückgebracht und mit viel Mühe wieder montiert. Künftig wird die Sendeendstufe in der Ausstellung zu sehen sein“, erzählt Winfried Müller vom Industriesalon. Der frühere WF-Ingenieur (Werk für Fernsehelektronik) gehört zu den Ehrenamtlichen, die in der alten Fabrikhalle des Transformatorenwerks Schöneweider Technikgeschichte bewahren. Eigentlich gehört der Sender aus dem Hause Telefunken nicht hierher. „Die Technik aus Schöneweide ist aber eng mit der Geschichte des Rias verbunden. Hier wurden im Auftrag der DDR-Regierung Störsender gebaut, mit denen der Empfang des Rias verhindert werden sollte“, sagt Winfried Müller.

Obwohl zeitweise über 200 Störsender im Einsatz waren, konnten findige Hörer im Osten mit guten Antennen die „Freie Stimme der freien Welt“ – so das Selbstverständnis des Rias – trotz aller technischen Schikanen fast immer und überall hören. Künftig sollen Kurzwellensender und Störsender in der Ausstellung direkt nebeneinander stehen.

In Betrieb gesetzt wird der Telefunkensender natürlich nicht mehr. Das wäre viel zu gefährlich und der Stromverbrauch wäre bei 20 Kilowatt Sendeleistung auch viel zu hoch. Allein die Heizung einer einzigen Röhre verbraucht rund 700 Watt und die Hochspannung von 7500 Volt ist lebensgefährlich.

Der Rundfunk im amerikanischen Sektor (Rias) sendete von 1946 bis 1993. Noch heute strahlt Deutschlandradio Kultur wie einst der Rias Sonntagmittag das Läuten der Freiheitsglocke und das Freiheitsgelöbnis – Ich glaube an die Unantastbarkeit und an die Würde jedes einzelnen Menschen – aus. RD

Geöffnet ist die Ausstellung in der Reinbeckstraße 9 dienstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.
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