Flüchtlinge haben ihre Rettungsschwimmerprüfung bestanden

Mahmoud Mohammad bekommt von FEZ-Chef Thomas Liljeberg-Marcuse seinen Arbeitsvertrag. (Foto: Ralf Drescher)

Oberschöneweide. Mahmoud Mohammad hat einen Job. Am 1. Mai tritt der 22-jährige Syrer als Rettungsschwimmer am Badesee in der Wuhlheide an.

Die vergangenen sechs Monate hatten es für den früheren Informatikstudenten aus Syrien in sich. Gemeinsam mit fünf weiteren Kriegsflüchtlingen aus seiner Heimat war er im September für eine Rettungsschwimmerausbildung im FEZ Wuhlheide ausgewählt worden. „Wir hatten überlegt, wie man Flüchtlingen bessere Chancen auf Integration geben kann. Für eine Berufsausbildung fehlen bei vielen die Voraussetzungen durch mangelnde Deutschkenntnisse, durch die Flucht verlorene Zeugnisse oder nicht gleichwertige Schulabschlüsse. Die Ausbildung zum Rettungsschwimmer war da eine Möglichkeit, ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern“, sagt Thomas Liljeberg-Marcuse, FEZ-Geschäftsführer und einer der Väter des Projekts „Rettung in Sicht“.

Für Mahmoud Mohammad und seine Kameraden hat der Kurs wirklich Rettung gebracht. An drei Tagen in der Woche sind sie unter Anleitung vom Chefschwimmmeister „Charly“ René Moegelin in das Becken gestiegen und haben Schwimmstile, Schnelligkeit und Rettungstauchen trainiert. Dazu kam dann noch der Deutschkurs, der ebenfalls zu absolvieren war. Das Schwimmtraining fand zu den normalen Öffnungszeiten statt. „Am Anfang gab es bei einigen Besuchern Verwunderung, später wurde daraus Staunen und Bewunderung für unsere angehenden Rettungsschwimmer. Die sechs haben sich in dieser Zeit zu echten Botschaftern Syriens entwickelt“, versichert Schwimmmeister Moegelin.

Ihre Prüfung bei der Wasserwacht haben alle sechs Kursteilnehmer mit dem silbernen oder gar dem goldenen Rettungsschwimmabzeichen bestanden. Mahmoud Mohammad nimmt am 1. Mai als Rettungsschwimmer am Ufer des FEZ-Badesees seine Arbeit auf. Ein zweiter Kursteilnehmer kann ebenfalls vom FEZ eingestellt werden, sobald sein Flüchtlingsstatus geklärt ist. Andere aus der Gruppe wollen sich bei den Berliner Bäderbetrieben bewerben.

Unterstützung für das Projekt hatte es von der syrischen Spitzenschwimmsportlerin Yusra Mardini (18) gegeben. Die junge Frau hatte 2015 die letzten Kilometer auf der Flucht nach Europa buchstäblich schwimmend zurückgelegt. Als der Motor des Flüchtlingsboots bei der Fährt über die Ägäis versagte, sprang sie ins Wasser und zog gemeinsam mit ihrer Schwester das Boot samt Insassen schwimmend an das rettende griechische Ufer. Das machte weltweit Schlagzeilen.RD
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